Litterarisches. 431
Entwicklung aus der Eigenart ihrer geographischen Lage undwirtschaftlichen Bedingungen behandelt sind, werden einzelnegrössere Orte (Wesel, Xanten, Calcar, Cleue, Sehmidthausen,Emmerich) eingehender unter diesem Gesichtspunkte besprochen. —Die Verbindung geographischer und historischer Betrachtungmenschlicher Ansiedlungen ist in der vorliegenden Schrift inmethodischer und feinsinniger Weise angewandt. In dem Verhältnissedes Umfanges einer Dissertation zu dem des Stoffes liegt esbegründet, dass der Verfasser sich bei manchen Fragen, wie in derethnologischen Uebersicht (S. 17) und in der Entwicklung derSiedlungsformen (S. 34f.), mehr darauf beschränkt, Gesichtspunktefür die Untersuchung aufzustellen, als diese im Einzelnen durch-zuführen. Es pwäre zu wünschen, dass er durch Sammlung undVerarbeitung eines umfassenderen Einzelmaterials, wobei auch dieOrtsnamen des Gebietes als Quelle zu benutzen wären, die anregendeStudie zu einer erschöpfenden Darstellung erweitern würde. e.
2. Kniffler, (*., Das Jesiiiteii-fcrymuasiuiii zu Düsseldorf. Programmdes Kgl. Gymnasiums, Düsseldorf 1892. —Der Verfasser, welcher bereits in Jahrbuch III eine allgemeineUebersicht über die Entwicklung des Schulwesens zu Düsseldorfgegeben und in Jahrbuch IV die alte Trivialschule und die Mon-heimsche Schule spezieller behandelt hat, liefert in obigem Programmeinen neuen, dankenswerten Beitrag zur Geschichte des Schul-wesens unserer Stadt. Die Geschichte des Jesuiten-Gymnasiumsumfasst zwei Perioden: 1. von seiner Gründung bis zur Aufhebungdes Ordens (1021—1773), 2. die Congregation und das Lyceum biszu dessen Keform beim Beginn der preussischen Herrschaft (1774bis 1813). Nach dem Verfalle des 1545 gegründeten MonheimschenGymnasiums übergab Kurfürst Wolfgang Wilhelm den 1620 nachDüsseldorf berufenen Jesuiten am 14. August 1(321 die an derLambertuskirche gelegene alte Schule sammt deren Einkünftenund schenkte ihnen als Wohnung das Hau;( der Wittwe des Johannesvon Ossenbroich in der Mühlenstrasse. 1625 wurde der Neubaudes Gymnasiums auf einem unweit des Collegiums am Mühlenplatzerworbenen Grundstücke begonnen, aber infolge der schlechtenZeitverhältnisse erst um 1(155 vollendet. Die Einrichtung der Schuleerfolgte nach der Ratio et institutio studiorum societatis Jesu von1599. Die stadia inferiora umfassten 5 Classen: Iutima, Grammatiea,Syntaxis, Poetiea (Humanitas) und Ehetorica; die studia superiorazerfielen in den zweijährigen philosophischen Cursus (Logica) undein vierjähriges Fachstudium. Auf Grund der erhaltenen Vorschriftenentwirft der Verfasser sodann ein Bild von dem Betrieb des Unter-richtes sowie der Schulordnung. Neben den Franziskanern, welcheseit 1673 theologische und seit 1697 philosophische Vorlesungenhielten, wussten die Jesuiten von Kurfürst Carl Philipp die Erlanbnissauszuwirken, selbst ihre Zöglinge in beiden Wissenschaften weiterzu führen, geriethen aber hierdurch in ein gespanntes Verhältnis«zu den Franziskanern. Zur unentgeltlichen Wohnung und fcheilweisefreier Beköstigung katholischer Studierender wurde 1623 vonCanonicus Petrus Laer am Mühlenplatz das Seminarium ad sanctumsalvatorem gestiftet. Trotz selbständiger Vermögensverwaltungstand es in engster Beziehung zur Jesuitensehule, indem seineZöglinge dieselbe besuchten und der Präfect des Gymnasiums inder Kegel auch Leiter des Seminars war. Die Zahl der Seminaristenbetrug im Durchschnitt etwa 30; alle hatten freies Unterkommenund gegen geringe Vergütung Mittagessen, zum Theil auch freiesBrod und Bier. Von Interesse für Familiengeschichte sind die