398
III. 25. Opposition gegen die Verfassung.
und dem Reich einen Kaiser" gegeben haben würde. Die ungeheure Auf-regung pflanzte sich aus dem Saale in alle Theile der Stadt fort, dieeinzige Börse ausgenommen die trotz günstiger Notirnngen aus Parisund Wien flau blieb.
Daß die Erbkaiserlichen jubelten verstand sich von selbst. „Oester-reich hat die Partie verloren", trinmphirten sie, „unwiderbringlich ver-loren". Ob es sie aber aufgegeben, meinten Andere, ob cs gutwillig aufseinen Einfluß in Deutschland verzichten werde, sei das so leicht denkbar?Doch damit war man vorderhand nicht gelaunt sich den Kopf zu zer-brechen. Nebst der Sache priesen sie laut Welcker, der ihueu bisher Ziel-scheibe von Vorwürfen aller Art gewesen, der ihnen nun aber höherstand als einer der Ihrigen, der ihnen jetzt wieder der „Mann" war„der seit einem Menschenalter für deutsche Freiheit und Einheit gekämpft".Die Groß-Deutschen und die von der Linken waren überdiemaßen be-stürzt. Die am mildesten urtheilten sagten, Welcker habe über die WienerNachrichten den Kopf verloren, es sei ihm das Blut zu Gehirn gestiegen, erhabe jede sachliche Rücksicht beiseite gesetzt, und bedauerten eine Uebereilungdie eines Mannes von Welcker's Alter und Erfahrung unwürdig sei. DieMehrzahl ließ sich nicht nehmen daß er sich durch Beweggründe äußerlicherArt habe bestimmen lassen; namentlich habe ihn die Drohung des MinistersDusch, er könne aufhören badischer Bevollmächtigter zu sein, eingcschüchtert;auf keinen Fall habe er seinen Antrag stellen dürfe» ohne das ihm vonseiner Partei bisher geschenkte Vertrauen heimzusagen; so aber wie esgeschehen, habe er verrätherisch seine Absicht verborgen und die eigenenGenossen der Ueberrumpelung durch die Gegner preisgegeben. Welckerselbst erschien am selben Abend im „Pariser Hof", wo sich auch Heckscherund Sommaruga nach ihrer Rückkehr aus Wien einfanden. Er recht-fertigte sein Auftreten so gut er konnte; man behandelte ihn mit großerSchonung, überzeugt aber und auf seine Seite hinübergebracht hat erniemand
Am Abend des 12. kam Schmerling eine Note vom 9. März zu inwelcher Fürst Schwarzenberg, anknüpfend an das Kremsiercr Programmund das nunmehrige „Grundgesetz" vom 4. und sich berufend auf seinebei früheren Anlässen über die Oberhauptsfrage, die Kreiseintheilung,das Staatenhaus entwickelten Ansichten Anlaß nahm sich über das nun-mehrige Verhältnis des Kaiserstaates zu Deutschland auszusprechen: