306 III. 19. Schluß der Verhandlungen über die Religion?- u. Kirchen-Frage.
den Stand der Angelegenheit präcisirte, konnte es doch nicht verab-säumen Schuselka entgegenzuhalten was der Kaiser für die NothleidendenWiens gcthan, zweimal zu 100,000 fl. unmittelbar nach seinem Re-gierungsantritte, später 500.000 fl. „So übe Se. Majestät auf denRath des Ministeriums Rache!" (Beifall, Zischen.) Und was die „Politikder Furcht" betreffe, so könne man, „wenn man die Umstände gehörigerwägt, den Männern die jetzt im Ministerium sind wohl alles andereaber nicht Furcht vorwerfen" i"8)... So wurde denn, nachdem noch derBerichterstatter den Antrag des Finanz-Ausschußes befürwortet und derFinanz-Minister nichts dagegen einzuwenden erklärt hatte, in diesem Sinnemit entschiedener Majorität abgestimmt. . .
Schuselka hatte, wie wir gesehen, scharf geladen und sein Knallfeuer-werk augenscheinlich nur zu Gunst und Ehren der Räthe der Krone ab-gebrannt, deren so viele auf einmal seit nahezu drei Wochen nicht auf denMinister-Sitzen zu sehen gewesen. Warum waren die Minister überhaupt inder Kammer erschienen? Um ihrer constitutionalcn Pflicht zu genügen? Somußte es scheinen da, unmittelbar nachdem die Verhandlung über die Depo-siten-Geldcr geschloßen, Stadion nicht weniger als zehn, Kraus und Bachje vier seit Wochen gestellte Interpellationen beantworteten '"^). Oder wares ihnen, indem sie so thaten, etwa mit darum zu thnn jene Mitglieder desHauses, gegen welche das Wiener Criminal-Gericht seine Hand ausstreckte,in Sicherheit zu wiegen, um ihrer in der entscheidenden Stunde um so ge-wisser zu sein? Denn am selben Tage, da die Minister in Kremsier weilten,wurde in Wien mittelst Rathbcschlnßes die Einleitung der Untersuchunggegen Füster wegen Verbrechens des Hochverrathes beschloßen. Als dannKndlich einen Anlaß ergriff den Finanz-Minister im Vertrauen zu fragen obfür ihn in der nächsten Zeit etwas zu fürchten sei, beruhigte ihn dieser mitder Bemerkung: seitdem die Angelegenheit Kann einen für die Regierungso ungünstigen Verlauf genommen denke letztere überhaupt nicht daran dieAuslieferung eines Abgeordneten zu verlangen, man werde die Beendi-gung des Reichstages abwarten. „Dann allerdings", fügte er bei, „dürftecs für Sie gerathen sein rasch zu verschwinden, oder lieber gar nicht denSchluß abwarten" 200 ). Auch Stadion scheint nicht dafür gewesen zu seindie Sache aufs äußerste zu treiben. Von andern Seiten war freilich dieBemühung um so eifriger nichts zu unterlassen um der strafenden Ge-rechtigkeit glatte Wege zu bereiten. Namentlich galt dies von der Militair-Pnrtei, vom Feldmnrschall in Ofen, von Melden in Wien; und selbst