50
I. 4. Krakau Galizien und Bukowina.
auch im großen Haupt-Quartier von Zaleski nichts mehr wissen*). Leugnenließ sich allerdings nicht daß durch das ganze Jahr die Ruthenen dasruhige anhängliche verfassungstreue Element gebildet hatten, während alleAufstände bis zum letzten Lembergcr Losbruch am 2. November vonden Polen allsgegangen waren. Darum durften, während über Stadt undUmkreis von Lemberg der Belagcruugsstand verhängt war, die Ruthenenihre Versammlungen fortsetzen, was sie benützten ihre nationalen Wünscheund Beschwerden an der Tagesordnung zu erhalten. Polnischerseits konnteeine Auskunft für politische Besprechungen blos in der Form geselliger Zu-sammenkünfte der in Lemberg anwesenden Gutsbesitzer und angesehenerBürger von nationaler Färbung getroffen werden. Im November wurdendie vom Reichstage zeitlich beurlaubten Abgeordneten Dylewski und Wis-kowski beigezogen und auf ihren Rath beschlossen eine Adresse an denMonarchen zu richten, die der Ritter von Pawlikowski nach Olmüz über-bringen sollte, 26. November**). Da trat der Thronwechsel dazwischen, undes wurde nun die Abfassung einer Huldigungs-Adresse an den jungen Kaiserund einer Denkschrift au das Gesammt-Miuisterium beschlossen, welcheletztere die Wünsche der loyalen und gemäßigten Elemente der polnischenBevölkerung zum Ausdruck bringen sollte. Die Spitze derselben war, gleichjener vom 26. November, gegen die Petition der rutheuischeu Partei,und ganz vorzüglich gegen das Drängen derselben auf eine Zweitheilungdes Landes gerichtet: der Inhalt der rutheuischeu Petition, einer „blosenEingebung der Leidenschaft", habe im Lande unangenehme „Sensation"geinacht; die verlangte Maßregel würde die Uebelstäude denen sie Vor-beugen soll nur vermehren, unheilsame Folgen für die Provinz und fürdie Monarchie nach sich ziehen; die Schlußbitte ging auf „AllergnädigsteAnordnung daß die Frage wegen Theilung der Provinz vorerst einemProviuzial-Landtage, an welchem die Ruthenen ebenso wie die Polen thcil-nehmen sollen, zur Erörterung zugewiesen werde". An der Spitze derDeputation welche die Adresse nach Olmüz zu bringen hatte sollte FürstKarl Jablonowski stehen, und es wurde nun dafür Sorge getragenmöglichst viele Unterschriften bcizutrcibcn, gleichwohl dabei alle Namenauszuschließen deren Träger sich in den letzten Monaten in irgend einer
N) Das geht aus dem Eingangs des von Schwa, an Wind, am 8. Novembergerichteten Schreibens hervor; Bd. III, Anhang S. 28.
**) Unter diesem Datum Z. 15320 sandte der Gouverneur Zaleski eine Abschriftdem Ministerium zur vorläufigen Kenntnisnahme ein; Nr. 109 U. LI. I.