Wühlereien von Reichstags-Abgeordneten unter dem Landvolk.
39
tag, aber auch vom Kaiser zugesngt war. Einen mäßigen Ersatz, derdafür dem früheren Grundherrn geleistet würde, fanden alle billig Den-kende» in der Ordnung; ja sie erblickten darin eine Bürgschaft mehr fürden unanfechtbaren Bestand des neu geschaffenen Verhältnisses das ihrenWünschen nnd Bedürfnissen in so hohem Grade zusagte. „Das Landvolk",wurde aus den Vierteln ober», und unterm Manhartsbergc geschrieben,„ist jetzt vollkommen ruhig nnd hegt nur den einen Wunsch so wenigals möglich Entschädigung zu zahlen". Die angeordnete Entwaffnungging hier ohne Anstand vor sich, und so sehr traten die praktischen Be-dürfnisse wieder in den Vordergrund, daß in manchen Gegenden dieBauern mit Vvrwissen der Obrigkeit nur die Schäfte der Gewehre ab-lieferten, die Läufe aber znrückbehielten um sie zu Pflügen und anderenWirthschaftsgcräthen nmschmiedcn zu lassen.
Wohl fehlte cs nicht an Versuchen die Landbevölkerung in diesemihren natürlichen Rechtsgefühl zu beirren, und bedauerlicherweise warenes meist Abgeordnete des Reichstages die, selbst dem Bauern- odernieder» Bürgerstande angehörig, sich von den Vorspiegelungen der Linkenverstricken ließen und nun gegen eine Maßregel anfreizten und wühltendie sie als Mitglieder einer Versammlung, von deren rechtmäßiger Mehr-heit dieselbe beschloßen worden war, zu halten und zu unterstützen sichverpflichtet erkennen sollten. Der Pfleggerichts-Adjunct Franz Peitler vonZell am See hatte sich durch seinen doppelt bindenden Berus als Ab-geordneter und als Beamter nicht abhalten lassen den Bauern seinesWahlbezirkes in einem gedruckten Aufruf die Vertreter der Majorität,namentlich Gredler nnd Helfert, als diejenigen zu kennzeichnen die sichihnen feindselig erwiesen, indem sie sich gegen die unbedingte Aufhebungder Grundlasten ausgesprochen*), eine Unehrenhaftigkeit für die er beiseiner Rückkehr in den Kremsierer Reichstag von einem der Betroffenengeziemend zurechtgewicsen wurde. In ähnlich wühlerischem Geiste wirktenandere Abgeordnete in ihren Kreisen, sowohl schriftlich vom Reichstageaus als mündlich nnd persönlich während der wiederholten Vertagungdesselben. So der „Realitäten-Besitzer" Karl Sturm für Gonobitz inSteiermark; der Fabricnnt Georg Huscher für Eger nnd der Apotheker-Adolph Dotzauer für Heinrichsgrün in Böhmen; der Müller GeorgBauer für Waidhofen an der Thaya, die „Wirthschastsbesitzer" Joseph
«) Bd. m A»>». "y.