Vertrauens-Adresse der „Slovanskä Llpa" an de» Reichstag.
29
punkten des österreichischen Süd-Slaventhums, in Agram und in Znra,zwei lebenskräftige Töchtervereinc in innigem Wechsclverkchr untereinanderund mit dem Prager Borbildvercin eine vielverheißcndc Thätigkcit ent-falteten. Die Adresse der „Slovanskä Lipa" prangte, von Hunderten vonLeuten umstanden, an allen wichtigeren Straßenecken von Prag; die Räum-lichkeiten der „Slovanskä. Lipa" und der „Närodnl Novinh", mehrere Buch-handlungen, die Gaststube Peter Faster's und andere Orte in den ver-schiedenen Stadtthcilcn standen zur Einzeichnnng offen; alle Töchtervcrcineauf dein Lande erhielten für den gleichen Zweck Exemplare zngesandt.In Wien und Olmüz, sowie im großen Haupt-Quartier zu Ofen nahmman es sehr ungnädig auf daß die Prager Behörden, der Landes-Chesan der Spitze, diesem Treiben ruhig zusähen; allein was ließ sich, da derSchritt, dem anerkannt forttagenden Reichstage sein Vertrauen zu be-zeugen, nicht ungesetzlich, das Petitions- und Associations-Recht erst jüngsthingrundrechtlich bestätigt worden war, mit einiger Berechtigung dagegen sagenund einleiten? Die Unterschriften zur Adresse wuchsen von Tag zn Tag.Bis zum 23. Februar zählte man aus 180 Gemeinden 14.500 Unter-zeichner; die in Prag aufliegcnden und von Haus zu Haus umlaufendenExemplare enthielten, so wollten einige wissen, zur selben Frist bereits25.000 Namen. Die „Slovanskä Ltpa" richtete auch an den „deutschenVerein" die Aufforderung sich der Adresse anznschließen, empfing aber eineablehnende Erwiderung: einmal sei man, hieß es, mit dem Wortlautnicht durchaus einverstanden, und dann habe der deutsche Verein schonvor Monaten dem in den Tagen der höchsten Gefahr in Wien aus-harrenden Reichstage sein Vertrauen zu erkennen gegeben.
Das Vertrauens-Votum für den Reichstag war ein iudirectcs Mis-traucns-Botnm für die Regierung; die Anwendung auf die bevorstehendeRecrutiruug ergab sich daun von selbst. In der That vernahm man ausdem Prachincr Kreise von Gemeinden die entschlossen seien die Necruti-rung zu verweigern, weil dieselbe nicht vom Reichstage, sondern „blos"vom Ministerium angeordnet sei; cs sei zu hoffen, ließen sich PragerStimmen vernehmen, daß dieses Beispiel in andern Theilen des LandesNachahmung finden und den augenscheinlichen Beweis für die Volks-thümlichkeit des Reichstages liefern werde. Das trat auch ein; aber merk-würdigerweise war gerade in einigen deutsch-böhmischen Gegenden dieAuflehnung am bedrohlichsten, ein Beweis daß die Schuld davon die„Slovanskä Ltpa" jedenfalls nicht allein traf. Auch richteten die böhmischen