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I. 2. Böhmen und Mähren.
Die Angelegenheit kam am 24. auch im Reichstage zur Sprache,wo Klaudy und Genossen — Brauner Presl öembera Strobach JelenJonäk Palack/ re., in allen: 40 böhmische Abgeordnete — an denJustiz-Minister die Anfrage richteten: „wann er, seiner vorlängst ge-machten Zusage entsprechend, die Acten der Untersuchung in Betreff derPrager Juni-Ereignisse auf den Tisch des Hauses niederzulegen gedenke?"Verdächtigungen seien es gewesen „die eine Versammlung der allgemeingeachtetsten Patrioten als einen Haufen Verschwörer hinstellten und dieHauptstadt unseres Vaterlandes unter das Kriegsgesetz brachten". Erstjüngst habe die amtliche Zeitung des Landes Böhmen „die für jedengesunden Menschenverstand als unausführbares Phantasie-Gemälde er-kennbare Flugschrift eines unberufenen Fremden" benützt „um mit vollenBacken die geachtetsten Männer unseres Volkes aus die unverschämtesteWeise zu verdächtigen". Die Veröffentlichung der durch die Untersuchungerhobenen Thatsachcn allein wäre geeignet „jedes parteiisch einseitigeUrthcil" zu widerlegen „und die ungerecht angetastete National-Ehre"wieder herzustellen. Das letzte Erkenntnis der Strafbehörde sei längsterfolgt. Von dem noch vor Beginn der Untersuchung „mit apodiktischerGewißheit officiell behaupteten Vorhandensein einer weitverzweigten aufden Umsturz der Monarchie abzielenden Verschwörung ist ebenso wenigals von repnblicanischen Verschwörungen etwas hervorgekommen, und dasCrimiual-Gericht hat nicht gegen einen Einzigen Grund zur strafgcricht-lichen Untersuchung gefunden" *). Großer anhaltender Beifall ertöntevon den Bänken beider Seiten des Hauses, was nebenbei bemerktseitens der Rechten begreiflich genug war, da ja die Rainen derselbeninsgesammt unter dem Schriftstück standen.
In den Militairkreisen dachte man indessen über die Sache anders.In Folge des nächtlichen Ereignisses vom 17. zum 18. ließ das PragerPlatz-Commando die Soldaten ihre Wachposten mit scharfen Patronenbeziehen und beauftragte sie, wenn aus ihren Zuruf nicht sogleich Bescheiderfolgte, Feuer zu geben, eine Maßregel die man im Prager Stadtrathe„im tiefsten Frieden für ebenso ungerecht als gefährlich" erklärte und dieden Bürgermeister veranlaßt beim Landes-Präsidium eine Vorstellungdagegen einzubringen. Graf Khevenhnller nahm aber die Sache vielernster, und das gleiche geschah von Seite des Fürsten Windisch-Grätz.
*) Sten. Aufnahme IV S. 540 f.