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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
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wünscht, und zwar in desto höherem Grad, je glücklicher undbesser Einer sein will. Doch ist auch leicht zu ^begreifen, warumin unserer Darstellung dieß nicht ganz hervortrat, obwohl dieselberichtig ist. Unsere Lösung schließt sich nemlich an an die obigeVergleichung '), welche an sich wohl richtig ist; denn weil Gottnicht von der Art ist, daß er eines Freundes bedürfte, so setztman dasselbe mich vom Menschen voraus. Allein nach dieser Vor-aussetzung würde der Tugendhafte nicht einmal denken können,sofern ja Gott nicht in menschlicher Weise vollkommen ist, son-dern in höherer Weise, so daß er nichts Anderes denkt, als ebennur sich selbst. Der Grund ist der, daß unser Wohlbefindenstets von einem Andern abhüngt, während die Gottheit ihre Glück-seligkeit rein in sich selber hat.

Nichtig sind ferner auch die zwei Sätze, daß wir uns mög-lichst viele Freunde suchen und wünschen, daß aber zugleich der,welcher viele Freunde hat, keinen Freund hat. Denn da es mög-lich ist, mit Vielen zusammenzuleben und die Wahrnehmungengemeinsam zu haben, so ist es höchst wünschenswerth, möglichstviele Freunde zu haben. Da cs aber zugleich sehr schwierig ist,so muß nothwendig die Thatigkeit des gemeinsamen Wahrnehmcnsauf einen kleineren Kreis sich beschränken. Es ist also nicht bloßschwer, viele Freunde zu gewinnen, (denn es ist immer eine Sacheder Erfahrung), sondern es ist sogar schwierig, mit allen umzn-gehen, selbst wenn man sie hat.

Es kann nun Vorkommen, daß wir wünschen, der Freund,der eben im Glück sich befindet, möchte ferne von uns sein, wäh-rend wir ein anderesmal wünschen, daß er unsere Lage theile,wie denn überhaupt der Wunsch nach dem Zusammensein charak-teristisch ist für die Freundschaft. Ist cs nemlich möglich, daßman zusammen sei und dabei glücklich sei, so wünscht dieß jeder-mann, ist es aber nicht möglich, so ist man im gleichen Fall wiedie Mutter des Herakles, welche wohl auch lieber gewünscht hätte,daß ihr Sohn ein Gott sei, als daß er bei ihr bliebe und demEurysthens um Lohn diene. Man wäre versucht zu sprechen, wie

>) Zwischen Kott und Mensch,