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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Wünschenswerthe im Allgemeinen darauf beruht, daß es Theil hatan der Natur des Begrenzten, so folgt daraus, daß der Wunsch,sich selbst wahrzunehmen, zugleich der Wunsch ist, Der und Derzu sein. Da wir nun nicht an und für sich diese Bestimmungenhaben, sondern dadurch, daß wir Theil haben an den Potenzendes Wahrnehmens und des Erkennen? (der Wahrnehmende nein-lich wird wahrnehmbar in der Beziehung, in der Richtung, indem Bereich und Gebiet, worin er zuerst wahrnimmt, und ebensoist es mit dem Erkennenden) so folgt daraus, daß er eben deß-halb auch immer zu leben wünscht, weil er immer zu erkennenwünscht. Nun könnte es bei einer gewissen Betrachtungsweise ein-fältig scheinen, daß man das Zusammenleben wünschenswerthfindet, wenn man nemlich das in's Auge saßt, was allgemeinist und auch den Thieren zukommt, wie das Zusammenessen undZusammentrinken. Denn was macht es denn aus, ob man dasin Gemeinschaft mit Andern genießt oder für sich besonders, so-bald man die Rede wegnimmt? Allein auch die Rede, soweit siedie nächste beste ist, gehört in dieselbe Kategorie. Zugleich ist esFreunden, welche sich selbst genügen, nicht möglich zu lehren oderzu lernen; denn ein Freund, welcher lernt, ist selber nicht in derVerfassung, in der er sein soll, lehrt er aber, so ist cs sein Freundnicht; die Gleichheit aber ist Freundschaft. Nun ist es eine un-leugbare Thatsache, daß jedermann das Gute lieber genießt inGemeinschaft mit den Freunden, soweit und so gut es jedemmöglich ist und in seinen Kräften steht; der gemeinsame Genußaber besteht bald in sinnlicher Lust, bald in musikalischer Beschäf-tigung, bald in philosophischer Unterhaltung. Und dieses zugleichmit dem Freund muß sein, weßhalb es heißt:Der ferne Freundist eine Last," man darf also, wo jenes stattfindet, nicht getrenntvon einander sein. Daher auch die Geschlechtsliebe der Freund-schaft ähnlich zu sein scheint; denn diese Liebe strebt nach Zu-sammenleben, nur nicht in der Weise, in welcher man vor allemZusammenleben soll, sondern so, daß der sinnliche Genuß dabeidie Hauptsache ist.

Bei der theoretischen Betrachtung also erheben sich verschie-dene Bedenken, die Sache an sich aber ist ganz klar, woraus sich