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daß dcr Freund nicht des Gebrauchs und des Nutzens wegenvorhanden ist, sondern daß die wahre Freundschaft lediglich ausder Tugend beruht. Wenn nemlich die Menschen nichts bedür-fen, dann suchen sie Alle einen Teilnehmer für den Genuß undsind mehr darauf aus, Wohlthatcn zu erweisen, als sich erweisenzu lassen. Wir haben aber ein besseres Urtheil, wenn wir unsselbst genügen, als wenn wir bedürftig sind, und wir bedürfenin erster Linie solcher Freunde, welche unseres Umgangs wür-dig sind.
Bei dieser Frage ist aber nun genauer zuzusehen, ob nicht,während die Darstellung ganz gut aussieht, doch durch die Ver-gleichung ein Jrrthum hervorgebracht wird. Wir müssen, umuns die Sache klar zu machen, fragen, was das Leben ats Aktua-lität und als Endziel ist. Offenbar ist es das Wahrnehmen oderEmpfinden und das Erkennen, woraus folgt, daß das Zusammen-leben das Zusammenwahrnehmen und das Zusammenerkennen ist.Nun ist es für jeden am wünschenswerthestcn, sich selbst wahrzu-nehmen und sich selbst zu erkennen, und deßhalb ist jedem derTrieb zum Leben von Natur eingepflanzt; denn das Leben ist ebenHerstellung einer gewissen Erkcnntniß. Würde man nun dasErkennen für sich nehmen, ohne Verbindung mit etwas Ande-rem 9, — cs ist dieß zwar nicht leicht zu erkennen, wie in der Aus-führung gesagt worden ist ^), die Sache jedoch muß klar sein —so wäre es ganz dasselbe, ob man sich selbst erkennte oder einenAndern; d. h. es wäre gleich, ob man selbst lebte oder dafürein Anderer. Es liegt eben in der Natur der Sache, daß eswünschenswerther ist, sich selbst wahrzunchmen und zu erkennen.Man muß nemlich beides in der Betrachtung stets zusammen-nehmen, daß das Leben wünschenswerth ist und daß das Gutees auch ist, und daraus ergibt sich, daß Eins und das AndereEinem und demselben Wesen zukommen soll. Wenn nun voneinem solchen Begriffspaar der eine Begriff stets in die Classedes Wünschenswerthen gehört, das Erkennbare aber und das
>) Vielleicht z» lese» : zeij ü/iXo' roilro xrlt.
9 ES ist nicht klar, woraus sich dieß bezieht. S. i. s,