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Darum darf man auch nicht nachträglich unwillig werden, wiewenn man das Bessere gewählt hätte, anstatt des Geringeren.Allein man macht doch dem Freund Varwürfe, weil man nunans einmal in ihm den Tugendhaften sucht, während man vor-her nur den Angenehmen oder den Nützlichen in ihm hattehaben wollen.
Zwölftes Kapitel.
Ob sich das Bedürfnis;, Freunde zu habe», mit der Selbstgenügsamkeitund Glückseligkeit vertrage? Inhalt des freundschaftlichen Zusammen-lebens. Von der Zahl der Freunde. Wann die Anwesenheit der Freundewünschenswerth ist, wann nicht, und warum beides.
Eine weitere Frage ist die, welche das Verhältnis; der Selbst-genügsamkeit und der Freundschaft zu einander betrifft, welcheWirkungen diese ans einander ausüben? Man könnte nemlichversucht sein zu fragen, ob ein Mensch, welcher in jeder Bezie-hung sich selbst genügt, einen Freund haben kann? Ist nemlichdas Streben nach einem Freund auf das Bedürfnis; gegründetund ist der Tugendhafte am meisten sich selbst genug, so brauchtoffenbar der Tugendhafte, wenn er ja doch glücklich ist, keinenFreund. Der Selbstgenügsnme bedarf ja doch weder des Nütz-lichen noch des Verständigen, noch überhaupt ein Zusammenlebenmit Andern, da er ja sich selbst zum Umgang genügt. Am deut-lichsten zeigt sich dich an der Gottheit. Denn es ist klar, daßdie Gottheit keines Freundes bedarf, weil sie überhaupt nieman-des bedarf, und daß sie aus eben diesem Grund keinen Freundhaben wird. Und so wird man auch sagen müssen, daß derMensch, je glücklicher er ist, desto weniger eines Freundes bedarf,es müßte ihm denn nur unmöglich sein, sich selbst zu genügen.Daraus folgt nothwendig, daß der Mensch, je besser er lebt,desto weniger Freunde hat, die Zahl der Freunde muß immerkleiner werden, er darf sich nicht um Freunde zu bemühen, viel-mehr muß er sie gering achten, und zwar nicht bloß die nütz-lichen, sondern auch diejenigen, welche für den Umgang wün-schenswerth wären. Indessen zeigt sich hier besonders deutlich,