der auf Verwandtschaft beruhenden Freundschaft; in keinem vanbeiden Fällen ist eine Lösung möglich, sondern wenn auch Strei-tigkeiten Vorkommen, sind doch die Verwandten immer noch ver-wandt und der, welcher sein eigener Freund ist, bleibt doch EinePerson, so lang er lebt.
So ergibt sich aus unfern Ausführungen, in wie vielerleiSinn das Wort „Freund sein" gebraucht werden kann unddaß alle Arten von Freundschaft auf die erste Art zurnckzu-führen sind.
Siebentes Kapitel.
Bon dem Wohlwollen und der Einmüthigkeit.
Verwandt mit der eben ausgeführten Betrachtung ist dieUntersuchung des Wohlwollens und der Einmüthigkeit; Manchesind nemlich der Ansicht, sie seien Eins und dasselbe, währendAndere sie nur nicht von einander trennen wollen. Was dasWohlwollen betrifft, so ist es nicht ganz verschieden von derFreundschaft, aber auch nicht damit identisch. Wir haben inder Freundschaft drei Arten unterschieden: weder zu der auf demNahen noch zu der auf der Lust beruhenden Art gehört dasWohlwollen. Ist nemlich Einer der Freund des Andern, weiler Nutzen davon hat und wünscht er ihm deßhalb Gutes, sothut er es doch eigentlich nicht um des Andern, sondern umseiner selbst willen; nun ist aber doch wohl anzunehmen, daßdas Wohlwollen, wie die Freundschaft, nicht demjenigen selbstgilt, welcher wohlwollend gesinnt ist, sondern demjenigen, gegenwelchen er es ist. Würde aber das Wohlwollen zu der Freund-schaft gehören, welche auf der Lust beruht, so würde es auchde» unbcseelten Wesen gelten können. Hieraus ergibt sich, daßdas Wohlwollen in das Gebiet der sittlichen Freundschaft gehört.Der Unterschied ist aber der, daß dem Wohlwollenden nur dasWollen zukommt, während der Freund das, was er will, auchvollbringt. Das Wohlwollen ist nemlich der Anfang der Freund-schaft; jeder Freund ist ja wohlwollend, aber nicht jeder Wohl-wollende ist auch schon ein Freund. Der, welcher bloß Wohl-