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Alles dieses, was von dem Verhältniß des Individuumszu sich selber gilt, bezieht sich auf den Tugendhaften. ImSchlechten dagegen ist ein innerer Widerspruch, wie z. B. imUnmäßigen. Und deßhalb ist es wohl auch denkbar, daß einMensch sein eigener Feind sei; sofern er aber Eins mit sich istund untheilbar, ist er für sich selbst ein Gegenstand der Begierde.Von solcher Beschaffenheit ist der Tugendhafte und der Freund,welcher von der Tugend ausgeht; der Schlechte dagegen ist nichteigentlich Eine Person, sondern viele, er ist an Einem und dem-selben Tag ein Anderer und wechselt stets. — So ist also auchdie Freundschaft des Individuums zu sich selbst auf die Freund-schaft des Tugendhaften zurückzuführen. Denn er ist sich selberFreund und begehrenswerth, sofern er sich gleich und Eins mitsich selbst ist und für sich selbst gut ist. Eine solche Beschaffen-heit ist naturgemäß, während das Wesen des Schlechten natur-widrig ist. Der Tugendhafte macht sich nicht selbst Vorwürfe,weder während er etwas thut, wie der Unmäßige, noch nach-träglich wegen einer früheren Handlung, wie der Reuevolle, nochwegen einer erst beabsichtigten Handlung zum Voraus, wie derLügner, und überhaupt — wenn diese sophistische Bestimmungzulässig ist — findet bei ihm ein Verhältnis statt wie zwischenKoriskos und dem tugendhaften Koriskos. Es ist übrigens klar,daß im Grund der Tugendhafte ursprünglich derselbe ist, dennwenn die Menschen sich selber anklagen, so nehmen sie sich dasLeben; allein zunächst kommt sich jeder tugendhaft vor. Essucht aber der schlechthin Tugendhafte auch, wie gesagt, seineigener Freund zu sein, weil er wünscht, daß die beiden Ele-mente, welche in ihm sind, einander befreundet seien und weildiese unmöglich bei ihm in Widerspruch gerathen können. Daherkann mau wohl annehmen, daß jeder Mensch sein eigener Freundsein kann, anders aber ist es bei den Thiercn: ein Pferd z. B.ist nicht sich selber gut, also auch nicht sein eigener Freund.Ebenso wenig ist es der Fall bei den Kindern, so lange sie nochkeinen Willensentschlnß haben; denn erst dann kommt bei ihnendie Vernunft in Widerspruch mit der Begierde.
Man kann die Freundschaft zu sich selbst vergleichen mit