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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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leben wünscht nm des Zusammenseins selbst willen, nichtaus einem anderweitigen Beweggrund, wie z. B. die Väter denKindern das Sein wünschen, während sie mit Andern umgehen.Dieß alles nun steht im offenbaren Widerspruch mit einander.Im ersten Fall nimmt man kein Geliebtwerden an, wenn Einernicht das für ihn selbst Gute, im Weiten Fall, wenn ernicht das Sein, im dritten, wenn er nicht den persönlichen Um-gang dem Andern wünscht. Ferner rechnen wir zum Lieben dasMitleid mit einem Leidenden; und zwar nicht aus einem ander-weitigen Beweggrund, wie z. B. die Sklaven Mitleid habenmit ihren Herren deßwegen, weil diese hart sind, wenn sie etwaszu leiden haben, sondern 0 um des Leidenden selbst willen, wiedie Mütter Mitleid haben mit den Kindern und die zusammen-brütenden Vögel mit einander. Es will ja doch der Freundnicht bloß überhaupt mittrauern mit dem Freund, sondern erwill auch dieselbe Trauer empfinden, er will z. B. dürsten mitdem Dürstenden, oder wenn dieß nicht möglich ist, doch sich ihmmöglichst nähern. Dasselbe Verhältniß ist auch in der Freude;non Freundschaft nemlich zeugt die Freude nur dann, wenn mansich um des Andern willen freut, nicht aus einem anderweitigenGrund. Auch gebraucht man ja für die Freundschaft solche

Beziehungen wie: Gleichheit ist Freundschaft oder: wahre Freundesind Ein Herz und Eine Seele. Alles dieß läßt sich anwendeuauf den Einzelnen. Denn er wünscht ja sich selbst auch dasGute in der genannten Weise. Keiner ja erweist sich selbstetwas Gutes um eines Andern willen oder einem Andern zulieb, jedoch sagt er nicht, daß er es thue als Einzelner: wernemlich deutlich zeigt, daß er liebt, verräth offenbar den Wunschgeliebt zu werden, anstatt selber zu lieben. Dahin gehört auchder Wunsch, daß der Freund sei, das Perlangen nach Umgangmit ihm, die gleiche Empfindung von Leid und Freude, dasEin Herz und Eine Seele", und das, daß man ohne denFreund gar nicht leben, sondern lieber mit ihm sterben will.So verhält sich auch der Einzelne zu sich selber und so ist erwohl sein eigener Freund.

1) o»' wohl zu streichen.