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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
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das Entgegengesetzte ist so angenehm und Gegenstand der Be-gierde, sosern es nützlich ist, und zwar nicht als Selbstzweck,sondern als zum Zwecke hinführeud; sobald man nemlich denGegenstand der Begierde erlangt hat, ist man am Ziel ange-langt, Ziel des Strebens ist aber nicht das Entgegengesetzteselbst, wie das Kalte für das Warme, das Feuchte für dasTrockene.

Gewissermaßen gilt auch für die Freundschaft des Entgegen-gesetzten der Gesichtspunkt des Guten. Die Extreme strebennemlich einander zu um der Mitte willen; auf Grund einerinneren Verwandtschaft begehren sie nach einander, weil ausbeiden Ein Mittleres hervorgeht. Nur accidentell also geht dasStreben auf das Entgegengesetzte an und für sich nach der Mitte.Denn die Extreme begehren eigentlich nicht nach einander, son-dern nach dem Mittleren. Sind sie übermäßig erkältet, so ge-langen sie durch Erwärmung zur Mitte, ebenso auch durch Er-kältung, wenn sie zu heiß geworden sind. Und so ist es auchsonst. Im andern Fall sind sie stets in der Begierde befangen,ohne die Mitte zu gewinnen. Dagegen der, welcher die Mitteerreicht hat, erfreut sich ohne Begierde au dem, was von Naturangenehm ist, die Andern aber an dem, was sie aus ihremnatürlichen Verhalten herausbringt. Diese Art von Freundschaftist auch bei den unbeseelten Dingen möglich, wirkliches Liebenaber nur bei den beseelten Wesen. Daher Manche Freude habenan dem Ungleichen, wie die Unfreundlichen an den Humoristen,die Hitzigen an den Gemächlichen; sie werden nemlich durcheinander zur Mitte geführt. Also in accidenteller Weise, umdes Guten willen, kann, wie gesagt, das Entgegengesetzte be-freundet sein.

Damit haben wir denn dargelegt, wie viele Arten vonFreundschaft es gibt, welches die einzelnen Modifikationen sind,nach welchen man von Freunden, von Liebenden und Geliebtenredet, und in welcher Hinsicht es Freunde geben kann auch ohnedaß ein Lieben stattfindet.