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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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das Unnütze auch an der eigenen Person entfernt, wie der alteSokrates, wenn er Speichel, Haare und Nägel abthat, unddarin, daß wir die unnützen Theile wegwerfen und schließlichauch den Körper, wenn er nemlich stirbt; denn der Leichnamist nichts nütze, während man ihn da, wo er von Nutzen ist,aufbewahrt, wie z. B. in Aegypten. In diesen verschiedenenAnsichten liegen uns nun offenbar überall Gegensätze vor: dasAchnlichc soll unnütz sein dem Aehnlichen, und der Gegensatzam weitesten entfernt sein von Aehnlichkeit, und wieder das Ent-gegengesetzte am meisten unnütz dem Entgegengesetzten, sofern jadas Entgegengesetzte auf den Untergang des Entgegengesetzten ge-richtet ist. Ucberdieß meinen die Einen, es sei leicht, einenFreund zu gewinnen, während Andere die Erkenntniß eines Freun-des für sehr selten halten, ja für unmöglich ohne Unglück; denndem Glücklichen will freilich jedermann Freund sein. Andere abermeinen, man dürfe nicht einmal Denen trauen, welche im Un-glück des Freundes mit ausharren, denn es sei dabei lauter Be-trug und Heuchelei im Spiel, indem sie es nur darauf abgesehenhaben, durch den Umgang mit dem Unglücklichen den Weg zurFreundschaft des Glücklichen sich zu bahnen.

Zweites Kapitel.

Ausgleichung der verschiedenen Ansichten. Ist das Gute oder das An-genehme Gegenstand der Freundschaft? Unterscheidung der verschiedenenArten von Freundschaft, Werth derselben. Wesen der wahren Freund-schaft, welche auf der Tugend beruht; sie ist allein beständig. AnwiefernFreundschaft bei Schlechten möglich ist.

Wir müssen nun einen Standpunkt gewinnen, der uns dieüber die Freundschaft umlaufenden Ansichten möglichst erklärt undzugleich geeignet ist zn der Lösung der Schwierigkeiten und derGegensätze zn führen. Dieß erreichen wir, wenn wir finden,daß die entgegengesetzten Ansichten jede für sich wohl begründetsind; eine solche Auffassung wird dann den allgemein geltendenMeinungen am meisten entsprechen. Nun können aber die Ge-gensätze stehen bleiben, wenn die Behauptung in gewisser Bezie-