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Ueberdieß nehmen wir an, daß ein Freund zu den größten Gü-tern gehöre, während die Frcundlosigkeit und die Einsamkeit dasfurchtbarste ist, sofern ja das ganze Leben und jeder freigewählteUmgang der Freunde bedarf, wir bringen ja doch unsere Tagehin in Gesellschaft der Angehörigen und Verwandten oder Freunde,der Kinder, Eltern oder der Gattin. Ferner sind die Gerecht-same, welche zwischen Freunden stattfinden, lediglich von unserereigenen Bestimmung abhängig, während die Gerechtsame andernMenschen gegenüber durch die Gesetze bestimmt und nicht vonunserem Willen abhängig sind.
Indessen gibt es in Betreff der Freundschaft eine ganzeMenge Fragen. Zunächst wenn man noch weiteres von außenher heranzieht und der Freundschaft einen weitere» Umfang zu-weist; es sind ncmlich die Einen der Ansicht, das Gleiche seiFreund dem Gleichen, woher das Wort:
„Immer gesellet sich gleich zu gleich, so lenkt es die Gottheit" >).
ferner:
„Krähe gesellt sich zur Krähe";
Mid
„Es kennt der Dieb den Dieb, es kennt der Wolf den Wols."
Die Naturphilosophen aber begründen sogar den Bau und dieOrdnung der ganzen Natur auf das Princip, daß das Gleichezum Gleichen sich geselle; weßhalb Empedocles sagte, der Hundsitze ans demsetben Ziegel, weil derselbe ihm am meisten ähnlichsei 2). Während nun die Einen das Wesen der Freundschaft vondiesem Gesichtspunkt aus bestimmen, behaupten Andere, das Ent-gegengesetzte sei freund dem Entgegengesetzten. Freund sei nem-lich immer das, was man liebe und begehre, nun begehre dasTrockene nicht nach dem Trockenen, sondern nach dem Feuchten,wie es heißt:
und
che» Regen liebt die Erde" "):
„Veränderung ist überall süß,"
') Hom. Ob. 17, 218.
2) S. Große Ethik II. II.
5) AnS einen, Fragment des EuripidcS.