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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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und alle? dergleichen hat es mit den genannten Empfindungenzu thun, und dich sind ja die einzelnen Arten, in welche dieZügellosigkeit eingetheilt wird. Dagegen in Beziehung auf dieLustempfindungen, welche durch das Gesicht, das Gehör oder denGeruch vermittelt werden, wird niemand zügellos genannt, wenner zu weit geht, sondern wenn wir die bezüglichen Fehler tadeln,so verbinden wir doch keine Schande damit, wie überhaupt beidem, wobei es nicht eine Mäßigkeit gibt; die Unmäßigen abersind nicht zügellos und auch nicht maßvoll. Unempfindlichnun oder wie man ihn sonst nennen mag, ist der, welcher sichso verhält, daß er auch in den Dingen zu wenig thut, an Wel-chen in der Regel alle Theil haben und Freude haben sollten;wer dagegen zn viel thut, ist zügellos. An solchen Dingen nem-lich hat jedermann von Natur Freude und empfindet eine Be-gierde darnach, ohne deßwegen zügellos zu sein oder zu heißen;denn wenn man den betreffenden Gegenstand erlangt, thut mannicht zu viel in der Freude daran, und wenn man ihn nichterlangt, nicht zuviel in der Betrübniß darüber. Aber auch derVorwurf der Stumpfheit ist nicht zutreffend; denn man thut nichtzu wenig in der Freude oder Betrübniß, sondern eher zu viel.

Da es nun in diesen Dingen ein Zuviel und ein Zuweniggibt, so gibt es offenbar auch ein mittleres Verhalten, und diesesist das Beste und bildet zu dem Zuviel und dem Zuwenig denGegensatz. Da nun die Selbstbeherrschung das beste Verhaltenin Beziehung auf dasjenige ist, bei welchem es Zügellosigkeit gibt,so wird dasjenige mittlere Verhalten, welches sich auf die genann-ten angenehmen Sinnesempfindungen bezieht, die Selbstbeherr-schung sein, als das Verhalten, welches zwischen Zügellosigkeitund Unempfindlichkeit in der Mitte steht; das Zuviel ist Zügel-losigkeit, das Zuwenig hat entweder keinen besondern Namen odermuß man dafür die angegebenen Bezeichnungen verwenden. Einegenauere Ausführung über die Art der Lustempfindungen wirdspäter ') noch nöthig sein, wenn wir über die Mäßigkeit undUnmäßigkeit reden.

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