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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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sich ganz unbeweglich verhalten, werden bald unempfindlich ge-nannt, bald mit andern Ausdrücken bezeichnet; dieser letztere Zu-stand ist aber nicht sehr bekannt und begegnet uns nicht so leicht,weil die Menschen im allgemeinen mehr nach der andern Seitehin fehlen und weil cs allen angeboren ist, für solche Arten derLust sich empfänglich, resp. schwach zu zeigen. Dahin gehörennoch am meisten die noch nicht von der Kultur beleckten Men-schen, welche in den Komödien auftreten und welche nicht einmaldas Mäßige und das Nothwendige mit der Empfindung der Lustin Verbindung zu bringen wissen.

Da nun der sich selbst Beherrschende mit Empfindungen derLust es zu thun hat, so muß er es nothwendig auch mit denentsprechenden Begierden zu thun haben. Wir müssen also fra-gen, was das für Begierden sind. Die Selbstbeherrschung zeigtsich nemlich nicht in Beziehung auf alle Begierden oder auf alleEmpfindungen der Lust, sondern nach der allgemeinen Ansichtbei zweierlei Empfindungen, nemlich bei den Gegenständen desGeschmacksinns und des Taft- oder Gefühlssinns, in Wirklichkeitaber nur bei dem Gegenstand des Tastsinns; die Selbstbeherr-schung hat es nemlich nicht zu thun mit der Lust am Schönen,welche durch den Gesichtssinn vermittelt wird, sofern nicht dieBegierde nach Befriedigung der Sinnlichkeit dazu kommt,oder mit der durch das Häßliche erregten Unlust, ebensowenigmit der durch's Gehör vermittelten Lust, resp. Unlust am Melo-dischen, resp. Unmelodischcn, noch endlich mit der auf dem Ge-ruchssinn beruhenden Lust oder Unlust, welche durch gute oderschlechte Gerüche verursacht wird. So spricht man auch nicht vonZügellosigkeit in Beziehung darauf, daß jemand von solchen Ein-drücken afficirt, resp. nicht afficirt wird. Wenigstens wenn je-mand beim Anblick einer schönen Bildsäule, eines schönen Pferds,eines schönen Menschen, oder beim Anhören eines schönen Ge-sangs nicht mehr essen oder trinken oder auf geschlechtlichen Ge-nuß verzichten wollte, und nur immer das Schöne anzusehen undden Gesang anznhören begehrte, so würde man ihn nicht alszügellos bezeichnen, so wenig als diejenigen, welche sich von denSirenen bezaubern ließen. Vielmehr finden die beiden Begriffe