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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Dingen, welche, wie die Vernunft sagt, ohne Gefahr sind, wäh.rend er dagegen gegenüber dem Tod weichlich und ängstlich ist,und zwar ans keinem andern Grund, als weil es sich hier umdas Aufhören des Lebens handelt, und ist dagegen ein An-derer gegenüber jenen erstgenannten Dingen weichlich, dem Todgegenüber aber fest, so wird man den elfteren feig nennen müssen,den letzteren aber tapfer. Die Gefahr kommt nemlich bei demFurchtbaren erst dann in Betracht, wenn das, was eine solcheVernichtung des Lebens hcroorbringen kann, nahe ist. Gefahrtritt erst dann hervor, wenn dieses Vernichtende nahe zu seinscheint. Also das Furchtbare, mit welchem es nach unserer An-sicht der Tapfere zu thun hat, ist hienach das, was eine vernich-tende Unlust hervorzubringcn scheint, dieses muß jedoch in derNähe sei», nicht in der Ferne, und es muß so bedeutend seinoder scheinen, daß es zu dem Subjekt im richtigen Verhältnißsteht. Manches nemlich muß jedem Menschen furchtbar scheinenund Unruhe verursachen; denn es ist ja wohl möglich, daß, wieKaltes, Heißes und einige andere Einflüsse für uns und dieBeschaffenheit des menschlichen Körpers zu mächtig sind, daßdasselbe der Fall ist auch bei den die Seele berührenden Affek-tioncn. Was nun die Feigen und die Verwegenen betrifft, sosind diese in einer Täuschung begriffen, woran ihr eigenes Ver-halten schuld ist; dem Feigen nemlich scheint das, was nichtfurchtbar ist, furchtbar zu sein, und was in geringem Gradfurchtbar ist, scheint ihm höchst furchtbar, während der Verwegeneim Gegeutheil gegenüber dem Furchtbaren zuversichtlich ist unddas sehr Furchtbare für wenig furchtbar hält; der Tapfere da-gegen faßt beides so auf, wie es in Wirklichkeit ist. Wenndaher jemand das Furchtbare aus Unwissenheit erträgt, so ist erdeßwcgcu nicht tapfer, wie z. B. wenn einer im Wahnsinn denbernbfahrendcn Blitzen Stand hält, ebensowenig, wenn er zwardie Größe der Gefahr kennt, aber in der Leidenschaft ihr Standhält, wie die Kelten, welche mit den Waffen in der Hand denFluthen entgcgeugehen, wie denn überhaupt die Tapferkeit derBarbaren mit der Leidenschaft Hand in Hand geht. Mancheharren auch noch wegen anderer Empfindungen der Lust aus,