69
das gleiche zutreffen wie auf „angenehm" und „gut", daß esnemlich in doppeltem Sinn gebraucht wird. Manches nemlichist schlechthin gut und angenehm. Manches aber nur für denund jenen, nicht aber schlechthin, sondern im Gegentheil fürManche schlecht und unangenehm, was z. B. für die Schlechtennützlich ist oder was den Kindern als solchen angenehm ist.Ebenso ist auch das Furchtbare theils schlechthin furchtbar, theilsnur für gewisse Leute. Diejenigen Dinge nun, die der Feigeals solcher fürchtet, sind theils für niemand furchtbar, theils nurin geringem Grad, dagegen nennen wir schlechthin furchtbar das,was für die Meisten furchtbar ist und was furchtbar ist für diemenschliche Natur. Der Tapfere aber hält sich diesen Dingengegenüber furchtlos uud hält Stand gegen dasjenige Furchtbare,was für ihn in gewisser Beziehung furchtbar ist, in gewisserBeziehung aber nicht, nemlich furchtbar für ihn als Menschen,nicht furchtbar aber oder nur in geringem Grad furchtbar fürihn als tapferen Menschen; objektiv aber ist das Betreffendefurchtbar, weil es eben für die Meisten furchtbar ist. Darumwird auch dieses Verhalten gelobt, denn es ist ähnlich wie dasVerhalten des Starken und Gesunden. Denn auch diese werdenso bezeichnet, nicht weil der Starke von keiner Anstrengung, derGesunde von keinem Zuviel mitgenommen wird, sondern des-wegen, weil sie von dem, was für die gewöhnlichen Menschen,für die Meisten angreisend ist, nicht angegriffen werden, undzwar entweder gar nicht oder doch nur in geringem Grad; dieKränklichen, die Schwächlichen, die Feigen werden afficirt auchvon solchen Affektionen, welche Allen gemeinsam sind, über-schneller und stärker als die Meisten, während die Anderndurch dasjenige, was die Meisten afficirt, gar nicht oder nur ingeringem Grad afficirt werden.
Es ist nun die Frage, ob für den Tapferen gar nichtsfurchtbar ist, ob er überhaupt keine Furcht empfindet. Alleines ist dieß doch wohl möglich in der oben angegebenen Weises.
i) Statt kl, etwa cl' i» l«s!N.
«) S. II. 3.