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so tragen wir es auf die Seele im Ganzen über. Bei den ein-zelnen Theilen der Seele ist nun diese Anschauung ganz berech-tigt, nimmt man aber die Seele im Ganzen, so handelt diesesowohl beim Unmäßigen als beim Mäßigen freiwillig, nicht abergezwungen, wohl aber handelt ein Theil von ihr gezwungen,weil wir ja von Natur beides haben. Denn einerseits ist dieVernunft von Natur das leitende Princip, weil sie überall ist,wo die Natur von Anfang an sich frei entwickelt und keine Ver-stümmelung erleidet, andrerseits auch die Begierde, weil sie gleichvon Geburt an im Subjekt ist und es begleitet. Nun sind esin: allgemeinen diese beiden Momente, wodurch wir das Natür-liche bestimmen: einerseits das, was allen gleich von der Geburtan beständig znkommt, andrerseits das, was uns zukommt, wennder Natur ihre freie Entwicklung belassen wird, wie also grauesHaar, Alter u. dgl. Also: beide, der Mäßige und der Un-mäßige, handeln nicht nach der Natur'), nimmt man aber jedenfür sich allein, so handeln sie nach ihrer Natur, aber diese Naturist bei jedem eine andere.
Dicß also sind die Schwierigkeiten, welche uns in Be-ziehung ans den Mäßigen und Unmäßigen begegnen, sofern eSsich um die Frage handelt, ob sie — beide oder der eine vonbeiden, gewaltsam handeln, also entweder nicht freiwillig oderzugleich gewaltsam und freiwillig, und, wenn das Gewaltsameunfreiwillig ist, zugleich freiwillig und unfreiwillig; es wird wohlaus dem Angeführten deutlich sein, wie man diesen Schwierig-keiten zu begegnen hat.
In andrer Weise noch redet man von gewaltsamem undgezwungenem Handeln, ohne daß ein Widerspruch zwischen Ver-nunft und Begierde vorhanden ist, da nemlich, wo man etwasthut, was man sogar für schlimm und unangenehm hält, umetwas zu vermeiden, was aus dem Nichtthuu entspringen würde,wie Schläge, Gefängnis; oder Tod. In diesem Fall nemlichredet man von einem gezwungenen Handeln. Aber es ist nochdie Frage, ob dies; richtig ist, vielmehr könnte man ja auch
>) Nach der Natur der Seels im allgemeinen.