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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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sie unter dem Einfluß der Gewalt Nieles thun und leiden, wennnemlich etwas von außen her sie bewegt im Widerspruch mitdem in ihnen liegenden Trieb. Der Unterschied ist nun aberder, daß in den unbeseelten Dingen das Princip einfach ist, inden beseelten Wesen aber mehrfach; denn hier stimmen der Triebund die Vernunft nicht immer zusammen. Daher ist denn auchbei den übrigen lebenden Wesen das Gewaltsame einfach, wiebei den unbcscelten Dingen, denn auch jene haben nicht Ver-nunft und Trieb im Gegensatz zu einander, sondern ihre Lebens-thätigkeit beruht lediglich auf dem Trieb. Dagegen im Menschenist beides und zwar auf einer gewissen Altersstufe, in welchewir auch das eigentliche Handeln verlegen, denn von einem Kindsagen wir so wenig als von einem Thier, daß es handle, dasHandeln beruht vielmehr auf vernünftiger Ueberlegung ').

Nun ist anzunehmen, daß alles Gewaltsame unangenehmist, und daß niemand mit Gewalt und zugleich mit Lust han-delt. Deßhalb ist eben eine so starke Meinungsverschiedenheitin Betreff des Mäßigen und des Unmäßigen. Denn jeder vondiesen hat in seinem Handeln Triebe, die im Gegensatz zu ein-ander stehen: der Mäßige reißt sich, wie man sagt, mit Gewaltlos von den auf das Angenehme gerichteten Begierden, (denner empfindet Schmerz, wenn er sich losreißt nach der Seite deswiderstrebenden Triebes hin,) während der Unvernünftige mitGewalt der Vernunft widerstrebt; doch scheint bei diesem dieUnlust geringer zu sein, sofern die Begierde auf das Angenehmegerichtet ist und er dieser Begierde gerne folgt, woraus dennhervorgeht, daß der Unmäßige vielmehr freiwillig, anstatt ge-zwungen handelt, weil mit seinem Handeln keine Unlust verbun-den ist. Die Ueberredung aber steht der Gewalt und demZwang gegenüber. Der Mäßige aber wendet sich demjenigenzu, wozu er überredet ist und geht seinen Weg nicht gezwungen,sondern freiwillig. Dagegen wo die Begierde den Weg bestimmt,hat die Ueberredung keine Stätte; denn die Begierde hat mitder Vernunft nichts zu thun. Damit ist denn gesagt, daß zu-

!) Am einfachsten wird sein, wcgjulassen.