gierde zuwider ist, ist immer unangenehm, (denn die Begierdeist aus das Angenehme gerichtet,) also gewaltsam und unfrei-willig. Also was der Begierde gemäß ist, ist freiwillig; denndieses und jenes bilden einen Gegensatz. Ferner: die (sittliche)Mangelhaftigkeit macht den Menschen immer ungerechter; dieNnmäßigkeit aber gilt für eine Mangelhaftigkeit; unmäßig aberist der, welcher nach Maßgabe der Begierde der Vernunft zu-wider handelt, und er ist faktisch unmäßig, wenn er in einemsolchen Handeln begriffen ist; nun ist aber das Unrechthun etwasFreiwilliges; also wird der Unmäßige unrecht thun, sofern ernach Maßgabe der Begierde handelt, er wird also freiwillig han-deln und was der Begierde gemäß ist, ist sonach freiwillig; dennes wäre doch ein Widerspruch, wenn die Unmäßigen gerechterwerden sollten. Ans diesen Momenten nun ergibt sich wohl,daß das, was der Begierde gemäß ist, freiwillig ist; das Gegen-theil aber folgt aus folgender Betrachtung: Alles, was jemandfreiwillig thut, thut er mit Willen, und was er will, thut erfreiwillig. Nun will aber niemand das, was nach seiner An-sicht schlecht ist. Wer nun aber im Aktus der Unmäßigkeit be-griffen ist, thut nicht was er will; denn handeln im Widerspruchmit dem, was man für das Beste hält, der Begierde zu lieb,das heißt eben unmäßig sein. Also würde folgen, daß jemandzugleich freiwillig und unfreiwillig handelt, dieß ist aber unmög-lich. Ferner: der Mäßige wird gerecht handeln, und zwar inhöherem Grad, als es der Unmüßigkeit möglich ist; denn dieMäßigkeit ist eine Tugend, die Tugend aber macht den Men-schen gerechter. Mäßig sein aber heißt, im Widerspruch mit derBegierde der Vernunft gemäß handeln. Also, wenn das gerechtHandeln freiwillig ist, wie auch das ungerecht Handeln, (denndieses beides ist wohl als freiwillig anzusehen, und wenn daseine freiwillig ist, so ist es nothwendig auch das andere), dasHandeln aber der Begierde zuwider unfreiwillig ist, so wird alsoein und derselbe Mensch eine und dieselbe Sache freiwillig undunfreiwillig thun.
Ebenso verhält cs sich auch mit der Leidenschaft, dem Zorn;denn Unmäßigkeit sowohl als Mäßigkeit scheinen Beziehung zizm