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Sechstes Kapitel.
Tugend und Laster sind Akte des freien Willens des Menschen.
Wir Wüllen nun unsere Untersuchung von einem neuen Ge-sichtspunkt ans weiter führen. Alle Substanzen sind ihrer Naturnach zugleich Prinzipien irgend welcher Art, daher auch jedeSubstanz das Vermögen hat, ein Wesen ihrer Art zu erzeugen,also z. B. der Mensch hat das Vermögen, Menschen zu erzeu-gen, und überhaupt jedes Thier erzeugt Lhiere, jede Pflanze er-zeugt Pflanzen. Ucbcrdies; aber ist der Mensch das einzige Thieroder lebende Wesen, welches auch Princip gewisser Handlungenist; denn die übrigen Wesen können wir nicht als solche bezeich-nen, welche handeln. Von den Principien aber werden diejenigen,von welchen ursprünglich die Bewegungen ausgchcn, die oberstenoder eigentlichen genannt, und diese Bezeichnung trifft mit demvollsten Recht auf diejenigen zu, von welchen nichts in andererWeise ausgehen kann, eine Art von Principien, welche der Gott-heit zukommcn mag. Bei den unveränderlichen, also den mathe-matischen, Principien kommt dieses „Eigentliche" nicht vor, ob-wohl die Bezeichnung nach Analogie auch gebraucht wird: esmüßte ncmlich auch hier mit einer Bewegung des Princips alles— und dieses ganz besonders — sich ändern, was vermittelstjener Principien bewiesen wird, die Principien selber aber ver-ändern sich nicht so, daß das eine vom andern ausgehoben würde,man müßte nur jede Voraussetzung aufheben, anstatt durch siezu beweisen'). — Der Mensch nun ist Princip einer Bewegung;denn die Handlung ist eine Bewegung. Da nun im allgemeinenund so auch hier das Princip Ursache desjenigen ist, was aufGrund desselben ist oder geschieht, so gilt hier der gleiche Gesichts-punkt, wie bei den mathematischen Beweisen. Wenn nemlich dasViereck vier rechte Winkel haben muß, weil das Dreieck zwei rechteWinkel hat, so ist klar, daß der Satz: „das Dreieck hat zwei
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