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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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und Unangenehme. Die Mitte nun wird bald liegen auf Seiteder Lust, (denn auch hier gibt es ein Zuwenig und ein Zuviel),bald auf Seite der Unlust, bald in beiden. Wer z. B. ein Zu-viel thut in der Freude, thut zuviel nach Seiten der Lust, dasGegentheil findet statt wenn er zuviel thut in der Betrübniß, unddieß entweder schlechthin oder von einem gewissen Gesichtspunktaus, z. B. wenn er es nicht thut, wie die Meisten; der Tugend-hafte dagegen thut es so, wie es recht ist. Da cs nun eine Be-schaffenheit gibt, deren Inhaber von der Art sein muß, daß erin Beziehung auf Einen und denselben Gegenstand bald dem Zu-viel sich hingibt, bald dem Zuwenig, so folgt nothwendig, daß,wie das Zuviel und das Zuwenig einander und beide der Mitteentgegengesetzt sind, so auch die betreffenden Zustände einanderund zugleich der Tugend entgegengesetzt sind. Es ist jedoch oftder FM, daß die Gegensätze bald sämmtlich deutlicher zu erken-nen sind, bald nur die dem Zuviel zugewendeten, bald die nachSeiten des Zuwenig liegenden. Die Ursache dieses Gegensatzesliegt darin, daß man nicht immer derselben Art und Stufe vonUngleichheit oder Gleichheit mit der Mitte sich zuneigt, daßman vielmehr bald schneller übergeht vom Zuviel zum mittlerenVerhalten, bald auch wieder vom Zuwenig, und wer nun vonder Mitte weiter entfernt ist, der scheint ihr mehr entgegengesetztzu sein. Dasselbe findet ja auch statt in körperlicher Beziehung:in der Anstrengung ist das Zuviel gesünder als das Zuwenigund steht der Mitte näher, dagegen im Essen und Trinken istdas Zuwenig besser als das Zuviel. Demnach wird auch zu be-urtheilen sein, wie man sich, wo unser Verhalten von unsererSclbstentscheidung abhängt, also bei gymnastischen Fertigkeiten,entscheiden muß, um in beiden Beziehungen für die Gesundheitbestens zu sorgen: in erster Beziehung muß man mehr ertragenkönnen, in letzterer sich mehr versagen, und entgegengesetzt demdie Mitte Einhaltenden und nach der Vernunft sich Richtendenist in elfterer Beziehung der, welcher keine Anstrengung erträgtund nicht beide, in letzterer Beziehung der, welcher den Genußliebt, und nicht der, welcher armselig lebt. Dieß kommt davonher, daß die Natur nicht ohne weiteres in jeder Beziehung gleich