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freilich verschiedene Vermögen hat, eben die genannten; wie jaauch beim Gekrümmten das Concave und das Convexe untrenn-bar sind, und ebenso an der Oberfläche das Gerade und dasWeiße, während doch das Gerade nicht identisch ist mit demWeißen, sondern beide nur accidcutell verbunden sind, wie dennauch die Substanz beider verschieden ist. Ferner sehen wir abvon sonstigen etwa vorhandenen Theilcn der Seele, z. B. vondem ernährenden Princip. Der menschlichen Seele sind dieobgcnannten Theile cigenthiimlich. Daher sind auch die Tugen-den des ernährenden und des begehrenden Theils nicht specifischmenschliche Tugenden; cs muß nemlich, wenn wir das specifischMenschliche haben wollen, Vernunft, Herrschaft und Handeln da-bei sein. Nun herrscht die Vernunft nicht über die Vernunft,sondern über das Begehren und über die Affekte; also müssendie letzteren auch Theile des Menschen sein. Und wie die guteConstitution besteht ans den einzelnen Tugenden, so ist es auchbei der Tugend der Seele, sofern sie Endzweck ist. Die Tugendzerfällt nun aber in zwei Arten: die sittliche und die intellektuelleoder geistige. Wir loben ja nicht bloß die Gerechten, sondernauch die Verständigen und die Weisen; zu loben ist ja nach un-seren Voraussetzungen die Tugend, resp. die Wirkung; Verstandund Weisheit sind aber, obwohl nicht selber Thätigkeitcn, dochdie Quelle van Thätigkeitcn. Da nun die geistigen Tugendenmit Vernunft verbunden sind, so gehören sic dem vernünftigenTheil der Seele an, welcher in der Seele herrscht, eben soferner Vernunft hat, die sittlichen Tugenden aber gehören dem Theilan, welcher zwar unvernünftig ist, aber nach seinem Wesen dazuangelegt ist, dem vernünftigen Theil zu gehorchen; denn um densittlichen Charakter eines Menschen zu bezeichnen, sagen wir nicht,er sei weise oder geschickt, sondern er sei sanftmüthig oder ver-wegen.
Hienach müssen wir zuerst die sittliche Tugend in's Augefassen und untersuchen, was sie ist, welches ihre Theile sind, aufdie sie znrückznführcn ist, und wodurch sie zu stände kommt. Manmuß diese Untersuchung anstelle», wie alle derartigen Untersuchun-gen, indem man ausgeht von dein, was im allgemeinen festgehalten