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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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unter haben wir aber eben die Glückseligkeit verstanden. Dichergibt sich aus unseren Voraussetzungen. Hienach ist die Glück-seligkeit das Beste, die Endzwecke aber und die edelsten Gütersind in der Seele, diese selber aber ist entweder Zuständlichkeitoder Thätigkeit, Aktualität. Da nun die Thätigkeit besser istals die Zuständlichkeit, und der besten Beschaffenheit die besteThätigkeit zukommt, die Tugend aber die beste Beschaffenheit ist,so muß die Thätigkeit der Tugend das höchste Gut der Seelesein. Nun haben wir aber auch die Glückseligkeit als das höchsteGut bestimmt; somit ist die Glückseligkeit nichts anderes, als dieThätigkeit einer guten Seele. Da aber die Glückseligkeit nachunseren Voraussetzungen etwas Vollkommenes ist, das Leben abersowohl vollkommen als unvollkommen sein kann, und ebenso auchdie Tugend, (denn diese ist zum Theil vollständig, lzum Theilnur stückweise vorhanden), und da die Thätigkeit des Unvollkom-menen unvollkommen ist, so erhalten wir hieraus das Resultat,daß die Glückseligkeit die auf vollkommener Tugend beruhendeThätigkeit eines vollkommenen Lebens ist.

Daß mit dieser Bestimmung die Gattung und die Defini-tion richtig getroffen sind, wird durch die Uebereiustimmung derAnsichten bezeugt, welche unter uns Allen stattfindet. Identischnemlich mit der Glückseligkeit ist das richtige Handeln ') unddas richtige Leben, dieses beides aber, sowohl das Leben als dasHandeln, ist zugleich Gebrauch und Thätigkeit. Denn mit demHandeln ist überall auch der Gebrauch verbunden; z. B. derSchmied verfertigt einen Zauni, der Reiter gebraucht ihn. Fer-ner macht nicht ein einziger Tag die Glückseligkeit aus und dieseist nicht Sache der Kindheit oder irgend einer einzelnen Alters-stufe. Deßhalb ist die Ansicht Solons ganz richtig, wenn erkeinen Lebenden glückselig nennt, sondern jeden erst nach seinemTod; denn nichts Unvollendetes ist glückselig, weil es eben keinGanzes ist. Ferner ist es ja so, daß man die Tugend lobt umihrer Wirkungen willen, und daß man den Wirkungen den Preiszuerkennt. Bekränzt werden ja diejenigen, welche wirklich siegen,

Was »ach dem Griechischen zugleich-gute? Befinden" bedeutet.