Druckschrift 
1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

17

Achtes Kapitel.

Der positiven Bestimmung der Glückseligkeit wird eine Widerlegungder platonischen Lehre vorangeschickt.

Wir müssen also die Frage untersuchen, was das Beste istund was man alles darunter versteht. Es scheinen hier beson-ders drei Ansichten in Betracht ") zu kommen. Sonst sagt manja auch, das beste von Allem sei das Gute an sich, dieses Gutean sich aber sei dasjenige, welchem die Eigenschaft zukomme, daßes das erste unter den Gütern sei und daß es erst durch seinVorhandensein in allem Andern die Eigenschaft, gut zu sein, be-gründe. Dieses beides aber nemlich das erste zu sein unterden Gütern und durch sein Vorhandensein in den andern Güterndie Eigenschaft, daß sie Güter sind, zu begründen dieses bei-des komme der Idee des Guten zu. Denn die Idee sei es imwahren Sinn des Worts, von welcher das Gute prädicirt werdenkönne, denn alles Andere sei nur gut, sofern es an der IdeeTheil habe und ihr ähnlich sei, und sie sei das erste unterden Gütern; wenn man nemlich dasjenige wegnehme, an welchemdas Andere Theil habe, so werde auch das weggenommen, wasan der Idee Theil habe, was nur in sofern so und so prädicirtwerde, als es an der Idee Theil habe. Dieß sei also das Ver-hältniß, in welchem das Erste zum Späteren stehe, und dem zuFolge sei die Idee des Guten das Gute an sich, denn sie existircauch gesondert von dem, was an ihr Theil habe, gerade wie dieübrigen Ideen.

Es gehört nun eigentlich die Untersuchung dieser Ansicht ineine andere Wissenschaft, welche meist genöthigt ist, mehr in dieBegriffe cinzugehen und dialektischer zu verfahren; denn dieß isteben die Wissenschaft ^), in welche die widerlegenden und die ansdie allgemeinen Anschauungen sich beziehenden Beweisführungen

') c. i.

Plato.

»> Die Dialektik.Aristoteles' Endemische Ethik.

2