14
nicht die Erkenntniß des Wesens das Werthvollste, sondern dieErkenntniß der Elemente, aus welchen sie besteht. Wir wolle»ja nicht bloß wissen, was Tapferkeit ist, sondern wir wallen tapfersein, wir wollen nicht bloß wissen, was Gerechtigkeit ist, sonder»wir wollen gerecht sein, gerade wie wir in erster Linie gesundsein wollen, nicht wissen, was man unter Gesnndscin versteht,und wie wir vor allem uns Wohlbefinden wollen, nicht erkenne»,was man unter Wohlbefinden zu verstehen hat.
Sechstes Kapitel.
Methode der Untersuchung, welche philosophisch zu halten ist, aber auchdie gewöhnlichen Ansichten zu bernckstchtigeu hat.
In allen den hieher gehörigen Fragen muß man durch ver-nünftige Gründe einen festen Boden der Ueberzeugnng zu gewin-nen suchen, doch muß man dabei das allgemein Anerkannte alsZeugniß und Beispiel benutzen. Es wäre nemlich am beste»,wenn alle Menschen mit dem, was wir vortragen wollen, ent-schieden iibereinstimmten; ist dich nicht der Fall, so sollten dochin gewisser Beziehung Alle es thun, und dieß wird geschehe»,wenn wir sie zu unserer Ueberzeugnng durch Gründe herüber-bringen; es hat nemlich ein jeder etwas an sich, was einen An-knüpfungspunkt für die Wahrheit gewährt, und hievon muß manansgehen, um so oder so den Beweis zu fuhren; wenn man nem-lich von dem, was zwar richtig, aber nicht klar und bestimmtausgedrnckt ist, weiter geht, so wird man auch zu der Bestimmt-heit gelangen, indem man immer das Bekanntere an die Stelledes undeutlich Ausgedrückten setzt. Man hat nun aber bei jederwissenschaftlichen Untersuchung zu unterscheiden zwischen philoso-phisch und nicht philosophisch gefaßten Gründen. Deßhalb darfman auch bei praktischen, das bürgerliche Leben betreffenden Fra-gen eine so angelegte Betrachtung nicht für überflüssig halten,durch welche nicht bloß das Was klar wird, sondern auch dasWarum. Denn in dem letzteren Punkt liegt eben das Philo-sophische bei jeder Untersuchung. Doch ist bei diesem Verfahrennicht wenig Vorsicht nöthig. Weil es nemlich für ein philosophisches