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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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ders da der Fall, wo freilich nach der allgemeinen Ansicht dierichtige Erkenntnis etwas höchst einfaches, ja jedem Menschen er-reichbares wäre, nemlich in der Frage, was denn eigentlich bc°gehrenswerth ist von dem, was das Leben in sich schließt, nndwas man verlangen muß, um in seinem Streben ganz befriedigtzu sein. Es gibt ja mancherlei, was schließlich den Verlust desLebens zur Folge hat, z. B. Krankheiten, heftige Schmerzen,Sturme; man sieht also deutlich, wenn die Wahl gelassen würde,so wäre es mit Rücksicht auf solche Dinge eigentlich wünschens-werth, gar nicht geboren zu sein. Dazu ferner das Leben, wel-ches man führt, solang man ein Kind ist; auch zu diesem würdesicherlich kein verständiger Mensch wieder zurückkehren wollen.Ueberdieß gibt es Vieles, was weder Lust noch Unlust in sichschließt, und wieder Anderes, was zwar Lust gewährt, aber keineedle; auch dieß alles ist von der Art, daß es das Nichtsein bessererscheinen läßt, als das Leben. Ueberhaupt wenn man alles zu-sammennähme, was alle Menschen thun und leiden, jedoch nichtnach eigenem Willen, sofern es ja nicht Selbstzweck ist, und wennman dazu eine unendliche Zeitlänge fügte, so gäbe es noch kei-nen Grund, um das Leben dem Nicht-leben vorzuziehen. Auchdie Lust, welche lediglich auf dem Essen und Trinken oder aufLicbesgenuß beruht, für sich genommen, ohne die sonstigen Em-pfindungen der Lust, welche das Erkennen, das Sehen oder sonsteine Sinneswnhrnehmnng den Menschen gewährt, auch dieseLust wird Keinen bestimmen, dem Leben den Vorzug zu geben,wenn er nicht eine ganz sklavische Gesinnung hat. Es ist ja klar,wer eine solche Wahl trifft, dem macht es nichts aus, ob er einThier oder ein Mensch ist, wenigstens kann der ägyptische Stier,der als Apis verehrt wird, es sich in derartigen Dingen unum-schränkter wohl sein lassen, als viele Fürsten. Ebenso wenig ent-hält der im Schlecken liegende Genuß einen Bestimmungsgrund;denn was ist für ein Unterschied zwischen einem Schlaf, der ohneAufwachen vom ersten Tag bis zum letzten tausend Jahre odersolang man will, dauerte und dem Leben einer Pflanze? diePflanzen scheinen ja doch ein solches Leben zu haben, gerade wieauch die Kinder; auch diese sind ja im embryonischen Zustand