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Zehntes Buch.
kunst. Oder ist es etwa doch mit der Staatskunst nicht ebenso, wiemit den übrigen Wissenschaften und Fähigkeiten? Denn in diesensebcn wir eben dieselben als Lehrer und Ueberlieferer der speziellenFähigkeiten austreten, welche solche Fähigkeiten und Künste praktischbcthätigen, wie z. B. Aerzte und Maler. Als Lehrer der politischenWissenschaften dagegen geben sich die Sophisten aus, und doch be-thätigt sich keiner derselben praktisch, sondern dies thun nur die-jenigen, welche wirklich die Staaten regieren, von denen man dochwieder sagen möchte, daß sie mehr nach empirischer Routine, alsnach wissenschaftlicher Einsicht handeln. Denn wir sehen nicht, daßsie über solche (politische) Vorwürfe schreiben oder Vorträge halten,— obschon ihnen dies, mein' ich, besser anstehen würde, als ihreAbfassung von Gerichts- oder Volksversammlungs-Reden, — undebensowenig sehen wir andererseits, daß sie ja ihre eigenen oderetwa ihrer Freunde Kinder zu Staatsmännern gebildet haben. —19. Und doch wäre das in der Ordnung, wenn sie anders dazu imStande wären. Denn die könnten ja weder ihrem eigenen Vater-lande irgend etwas Besseres hinterlassen, noch sich selbst oder ihrenliebsten Freunden etwas Vorzüglicheres, als diese Fähigkeit, wünschen;damit will ich jedoch nicht sagen, daß die Wichtigkeit und der Nutzender Empirie gering anzuschlagen sei, sonst könnten ja auch Leute nichtdurch politische Routine wirklich Staatsmänner werden. Wer daherVerlangen trägt, wissenschaftliche Kenntnisse vom Staatswesen zuerwerben, der bedarf dazu nothwendig als Ergänzung auch der em-pirischen Routine.
20. Was aber diejenigen Sophisten anbetrifft, die sich alsLehrer der Staatskunst anbieten, so scheinen sie mir sehr weit davonentfernt, solchen Unterricht geben zu können; denn sie wissen jaüberhaupt gar nicht, was für eine Art von Ding sie ist, und mitwas für Arten von Dingen sie zu thun hat. Den» sonst würben siedieselbe nicht mit der Rhetorik'^) für einerlei oder für etwas noch
^6) Dieselbe Bemerkung finden wir auch häufln bei Platon ausgesprochen,z. B. im ProtagoraS, im Menv, im LacheS u. a. St. Bgl. gell zur Aristot.Ethik p. »75.
Vgl. Aristoteles Rhetorik l, Kap. I.