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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Zehntes Buch.

dazu ungeeignet erscheinen sollte , denn die Menge urtheilt nachdem Aeußerlichen, weil sie für dieses allein Sinn hat.

12. Im Einklänge mit unseren Entwickelungen stehen also,wie wir sehen, auch die Ansichten der Weisen. Solche übereinstim-mende Ansichten haben nun allerdings eine gewisse beweisverstärkendeKraft, die Wahrheit selbst jedoch in Dingen des praktischen Lebenshat immer nur in der thatsächlichen Wirklichkeit und in dem Lebenihr Kriterium; denn in beiden liegt das entscheidende Moment. Wirmüssen also das Zuvorgesagte in Bezug aus die thatsächliche Wirk-lichkeit und auf das Leben in Betrachtung ziehen, und stimmt esmit der thatsächlichen Wirklichkeit überein, dann haben wir es alswahr anzunehmen, stimmt es nicht damit überein, so haben wir esals bloße leere Reden anzusehen

13. Nun aber scheint der Mensch, welcher seiner denkendenEinsicht gemäß thätig ist, diese anbaut und sie im vollkommensten

2) Meine Ucbersthuna der Textwvrte reg «no-rox yxr^ketz) grün-det sich auf Aristoteles' ausführlichen Bericht über die Aeußerung de« Anaxe-gorai in der Eudemischen Ethik I, Kap. 4. Dort heißt es: .,AlS Anaxagora«von Jemand gefragt wurde, wer der Glückseligste sei, gab er zur Antwort:....Keiner, den du dafür hältst, sondern der, der e« nach meiner Meinung ist,würde dir sehr wahrscheinlich al« völlig ungeeignet für solches Prädikat er,scheinen"". AnaxagvraS gab diese Antwort, weil er sah, daß der Fragende, dener vor sich hatte, eS für ein Ding der Unmöglichkeit hielt, daß Einer, der nichtprächtig, schon oder reich sei, auf diese Bezeichnung Anspruch machen könne.Er selbst aber meint wohl, daß man von einem Menschen, der einen unsträf-lichen, reinen Lebenswandel nach der Gerechtigkeit führe, oder der sich irgendwiemit göttlich erhabener, denkender Betrachtung beschäftigte, sagen könne, ein solchersei, so weit es eben ein Mensch sein könne, glückselig".

w) Die ,,Weisheit", wenn sie auch der Gipfel aller Wissenschaften ist, insofern sie nicht nur das aus den Prinzipien Abgeleitete, sondern auch diePrinzipien selbst erkennt, ist nicht praktisch. Deswegen nennt man dennauch den AnaxagvraS, ThaleS und ähnliche Männer weise, aber nicht praktisch,wenn man sieht, daß sie das ihnen selbst Zuträgliche verkennen, und e« heißtvon ihnen, daß sie zwar UcberschwänglicheS, Wunderbares, Schwieriges wüßten,aber doch Unnützes, weil sie nicht das menschliche Gut suchten. (Biesenach Arist. Ltl>. Nie. VI, Kap. 7, §. 5-7.). DietoriuS u. A, verstehn unsereStelle so, als ob Aristoteles fordere, daß die Handlungen und das Leben derWeisen selbst ihren Aussprüchen konform seien, was im Grunde aus einesund dasselbe hinausläuft.