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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Achtes Kapitel.

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köstlich ist. Also Resultat: die Glückseligkeit ist eine Art von denken-der Betrachtung.

910. Allein zu derselben bedarf eS für den Menschen, ebenweil er Mensch ist, nur noch der Gunst äußerer glücklicher Beding- D-».niste. Denn die menschliche Natur ist nicht sclbstgenügend zur Aus-übung des denkenden Betrachtens, sondern es muß dazu auch derKörper gesund und Nahrung und alle sonstige Pflege und Bequem-lichkeit des'Lebens vorhanden sein. Indessen darf man darum, weiles nickt möglich ist, daß Jemand ohne die nöthigen äußeren Güterglücklich sei, nicht meinen, daß es für den Menschen zur Erreichungder Glückseligkeit vieler und großer Dinge bedürfe. Denn nicht imUebermaße des Besitzes solcher Dinge liegt das, was uns selbst-genugsam macht; und ebensowenig beruht daraus die Befähigungzum thätigen Handeln; sondern man kann auch, ohne über Landund Meer zu herrschen, schöne und edle Handlungen thun, denn selbstmit geringen Mitteln kann der Mensch tugcndgcmäß handeln. Dieskann man im Leben deutlich sehen; denn wir finden, daß die Pri-vatleute nicht nur nicht weniger tugendhafte Handlungen thun, alsdie Herrscher, sondern sogar mehr. Es ist also schon genügend,wenn dazu die nöthigen Mittel vorhanden sind, denn wirklich glück-selig wird immer das Leben des Menschen sein, der in der Aus-übung der Tugend thätig ist.

11. Und so bezeichnte denn auch Solon in seiner Unterredungmit Kroisos 2) die nach seiner Meinung Glückseligen, wie ich meine,sehr rhchtig, indem er Personen nannte, welche, mäßig mit Glücks-gütersi versehen, nach seiner Ansicht die schönsten Handlungen ver-richtet und ein maßvolles Leben geführt hatten; denn es ist sehrwohl möglich, daß man auch in mäßigen Vermögensumständen seinePflicht thun kann. Auch Anaxagoras scheint nicht unter dem Glück-seligen einen Reichen oder einen Herrscher verstanden zu haben, in-dem er zugleich bemerkt, daß er sich nicht wundern würde, wenn der,den er für glückselig halte, nach dem Urtheil der Menge als gänzlich

8) Die Wortein seiner Unterredung mit Kroisos" stehen zwar nicht imTexte, sind aber in dem Imperfektum enthalten. Die Sache

selbst erzählt Herodot l, aoZZ.

Aristoteles' Ethik.

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