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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
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Achtes Kapitel.

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ferner braucht Kraft, wenn er wirklich Thaten der Tapferkeit ver-richten soll, und der Maßvolle bedarf einer unabhängigen Lagedenn wie soll sonst er, oder irgend ein Anderer, der eine Tugend be-sitzt, zeigen können, daß er sie besitzt?

5. Nun ist es zwar ein Gegenstand verschiedener Meinungen,ob das hauptsächliche Kennzeichen der Tugend in dem Vorsatze oderin den entgegengesetzten Handlungen bestehe, da doch beide tugend-haft sein können. Allein jedenfalls ist so viel klar, daß, um voll-kommen zu sein, in beiden dies Prädikat sein muß. Das aber stehtfest, daß es zu den entsprechenden Handlungen vieler Dinge bedarf,und je größer und schöner die Handlungen sind, um desto mehr Hülfs-mittel sind nöthig.

6. Dagegen derjenige, welcher in der denkenden Betrachtunglebt, bedarf zu dieser seiner Thätigkeit nichts von dem Allem, jasie find ihm, so zu sagen, zu dieser seiner beschaulichen Thätigkeit so-gar hinderlich; allein sofern er zugleich Mensch ist und mit vielenandern zusammenlebt, wird er sich auch die Ausübung der praktischenTugenden vorsetzen, und wird somit solcher Hülssmittel bedürfen, umMensch sein zu können.

7. Daß die vollkommene Glückseligkeit in der denkenden Thä-tigkeit besteht, läßt sich auch durch folgendes Raisonnement deutlichmachen. Von den Göttern haben wir nämlich den Beweis, daß sievorzugsweise glücklich und glückselig sind. Welche Art von Hand-lungen sollen wir ihnen nun aber zuschreiben? Etwa die gerechten?Aber würden sie da nicht lächerlich erscheinen, wenn sie gedacht wür-den als Verträge schließend, Deposita ausantwortend, und dergleichenmehr? Oder vielleicht die Thaten der Tapferkeit, wobei sie furcht-bare Dinge muthig zu bestehen und ihr Leben einzusetzen hätten,weil es schön und edel ist, so zu handeln? Oder etwa die Thatender Freigebigkeit? Aber wem sollen sie denn geben? Und dann ist

"b D. h. einer äußere» Stellung und Lebenslage, die ihn in Versuchungführen kann, sich die Zügel schießen zu lassen. So z. B-, um ein MäßigungS-güik aufzuführen, wie das der vielgepriesenen Mühlengefchichte von Sanssouci,muß man ein absoluter König sein, der, wenn er wollte, auch ändert handelnkonnte.