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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
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Zehntes Buch.

2. Manches hiervon scheint ferner seinen Ursprung von derkörperlichen Beschaffenheit herzuleiten, und überhaupt die ethischeTugend in vielen Stücken mit unfern Affekten verwandt zu sein.3. Ja selbst die praktische Klugheit ist eng verbunden mit derethischen Tugend, und diese hinwiederum mit der praktischen Klug-heit 2), da ja die Prinzipien der praktischen Klugheit in den ethischenTugenden liegen, und die richtige Beschaffenheit der ethischen Hand-lungen wieder auf der praktischen Klugheit beruht. Da nun diesemit den Affekten zusammenhängen, so gehören sie ohne Zweifel ausden Menschen als zusammengesetztes Wesen ^), und die Tugenden desMenschen als zusammengesetztes Wesen sind eben menschliche. Alsosind auch das Leben und die Glückseligkeit, welche sich auf diese Tu-genden beziehen, menschlicher Art, während die Glückseligkeit desdenkenden Geistes für sich allein steht. Von dieser letzteren jedochsage ich hier nichts weiter, denn eine genauere Untersuchung gehtüber die Gränzen der hier vorliegenden Ausgabe hinaus. 4. Nurden Punkt will ich hier noch berühren, daß sie auch der Ausstattungmit äußeren Mitteln nur in geringem, oder doch jedenfalls in gerin-gerem Grade bedarf, als die ethische. Denn was die eigentlich noth-wendigen LebenSbedingniffe betrifft, so find diese freilich für beideein Bedürfniß, und meinetwegen mögen sie eS im gleichen Gradesein, denn wenn auch der Politiker in höherem Grade um dieAusbildung seines Körpers und andere ähnliche Dingen sich zu be-mühen hat, so macht das doch keinen irgend wesentlichen Unterschied.Dagegen wird sich hinsichtlich der Bedingnisse und Mittel für dieThätigkeiten beider ein sehr großer Unterschied Herausstellen.Denn der liberal Freigebige z. B. wird nothwendig Vermögen habenmüssen, um Handlungen der Freigebigkeit zu thun, sowie auch offen-bar der Gerechte Vermögen besitzen muß, um denen, die ihm etwasgeleistet haben, dafür thatsächlich gerecht zu werden denn der guteWille allein kommt nicht zur Erscheinung, und die Maske eines sol-chen guten Willens zu gerechtem Handeln wissen auch solche Subjektevor's Gesicht zu nehmen, die keineswegs gerecht sind; der Tapfere

2> Vgl. oben VI, Kap. 5.

S- das vorhergehende Kapitel §. 8.