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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Zehnte« Buch.

unserer Thätigkeiten, wie ja auch die denkende Vernunft unter allenuns innewohnenden Kräften, und die Dinge, mit denen diese Ver-nunft sich bethätigt, die höchsten und vorzüglichsten sind. Ferner istsie die anhaltendste. Denn eines anhaltenden denkenden BetrachtenSsind wir in weit höherem Grade fähig, als irgend eines anhaltendenThuns. 3. Drittens sodann sind wir der Ansicht, daß mit derGlückseligkeit stets Vergnügen eng verbunden sein müsse, und da istdenn wieder eingestandenermaßen unter allen tugendgemäßen Tätig-keiten die auf die Weisheit gerichtete die allererfreulichste Undin der That gewährt die Philosophie wunderbare Genüsse reinsterund sicherster Art, und es ist natürlich, daß die Wissenden ein ange-nehmeres Leben führen, als die Suchenden.

4. Ferner ist wohl das, was wir Selbstgenügsamkeit^) nennen,vorzugsweise im Gebiete der theoretischen Thätigkeit vorhanden.Denn was die nothwendigen Bedürfnisse des Lebens betrifft, sohaben sie der Weise, der Gerechte und die übrigen Tugendhaftengleichmäßig nöthig; sind sie aber mit diesen Bedürfnissen ausreichendversehen, so bedarf doch der Gerechte noch der Menschen, gegen welcheund mit welchen er gerechte Handlungen thun könne, und ebenso-derMaßvolle und der Tapfere, und so fort jeder Einzelne. Dahingegender Weise kann, auch wenn er ganz für sich allein ist, seine Thätig-keit in erforschender Betrachtung der Dinge ausüben, und er kannes um so mehr, je weiser er ist. Besser allerdings kann er es, wenner Mitarbeiter hat §), immerhin aber ist und bleibt er der Selbst-genugsamste von Allen.

5. Ferner kann man füglich annehmen, daß sie, und sie allein,rein um ihrer selbst willen geliebt wird. Denn von ihr hat manaußer dem Erkennen nichts Anderes weiter; von den praktischenThätigkeiten dagegen gewinnen wir immer noch mehr oder wenigeretwas neben und außer der Handlung.

") S. Biese I, S. 54S (Anmerk. 21 5L0.

^i Selbsthinlänglichkeir («vrer^xkl«), S- I. Knp. 7, §. S.

6- Oder, wie Spinoza und mit ihm Lksstng sagen: gehoben von der Ge-meinschaft synipathisirender Geister. S. Lcsstng'S Leben von Adolf Stahr,Th. II, S. IS8 (zweite Ausgabe).