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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Zehntes Buch.

in den leiblichen Vergnügungen ihre Befriedigung suchen, so ist dochdeswegen noch keineswegs die Meinung statthast, daß diese diewünschcnswertheren seien. Denn auch Kinder meinen ja, daß das,was sie Hochhalten, das Vorzüglichste sei. Es ist über sehr begreif-lich, daß, so wie für Kinder andere Dinge Werth haben, als fürErwachsene, so auch für unbedeutende und nichtsnutzige Menschenandere Dinge, als für tüchtige.

5. Wie bereits zum östern gesagt, ist wirklich werthvoll undangenehm nur das, was in den Augen der Tüchtigen und Tugend-haften werthvoll und angenehm ist. Jedem aber gilt diejenigeThätigkeit als die vorzüglichste, welche seiner eigenen Beschaffenheitentsprechend ist, und somit ist für den Tugendhaften dies die Bethä-tigung der Tugend. 6. Daraus folgt also, daß die Glückseligkeitnicht in Spiel und Scherz besteht. Es wäre ja auch absurd, wen»der Lebenszweck Spiel und Scherz sein, und wenn alle Arbeit undMühseligkeit des ganzen Lebens nur gethan und getragen werdensollte, um spielen zu können! Denn alles Andere in der Welt so zusagen begehren wir immer nur um eines Andern willen, nur dieGlückseligkeit nicht, denn diese ist letzter Endzweck. Ernstes Strebenund Arbeiten aber als Mittel zu einem Zwecke, der in Spiel undUnterhaltung bestände, scheint denn doch gar zu thöricht und kindisch.Wohl aber giltSpielen, um später ernsthaft sein zukönnen", wie der Spruch des Anacharsis lautet^), als eine sehrrichtige Maxime. Denn das Spiel ist eine Art von Ausruhen, undda die Menschen nicht im Stande sind, ununterbrochen fort zu arbei-ten, so bedürfen sie des Ausruhens; deshalb aber ist doch das Aus-ruhen nicht Endzweck, denn man gönnt es sich immer nur um derThätigkeit willen, das glückselige Leben dagegen scheint uns dastugendgemäße zu sein; dieses aber ist mit ernster Arbeit verbundenund besteht nicht im Spiel. 7. Auch heißen wir ja das Ernsteimmer besser, als das Lächerliche und das Scherzhafte, und nennen

6) ES ist dies einer der vielen geistreichen Aussprüche, welche dem bekann-ten, in Griechenland reisenden Scythischen Fürsten zugeschrieben werden undvon dem AthenäuS im 4., >0. und 14. Buche seinerDeipnosvphisten" einigeaufbehalten hat.