Druckschrift 
1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
Seite
374
Einzelbild herunterladen
 

374

Zehntes Buch-

angenehm aber sind solche Dinge nicht, sondern sie sind es ebennur für diese Menschen und überhaupt für Menschen von solcherVerfassung.

11. Wir sehen also, daß wir die allgemein für schändlich gel-tenden Genüsse gar nichtGenüsse" nennen dürfen, außer für ver-dorbene Menschen. Nun aber fragt es sich: was für einen oderwelchen unter den für löblich geltenden hat man vorzugsweise alsden des Menschen zu bezeichnen? Allein ich denke, das ist doch wohlaus den Thätigkeiten klar, denn deren Folge sind sa die Genüsse.Mag es nun also solcher Thätigkeiten des vollkommenen und glück-seligen Mannes nur eine, oder mag es ihrer mehrere geben, soviel steht fest: die Genüsse, welche diesen Thätigkeiten den vollen-denden Abschluß geben, sind es allein, welche (im eigentlichen Sinne)menschliche Genüsse zu heißen verdienen, alle übrigen dagegenwerden aus diesen Namen, wie die Thätigkeiten (denen sie entspre-chen), erst in zweiter oder noch entfernterer Reihe Anspruch haben.

Sechstes Kapitel.

Nachdem über die Tugenden, über die Freundschaft und überdie Lustempfindungen das Nöthige gesagt worden ist, bleibt uns nurnoch übrig, im allgemeinen Umrisse von der Glückseligkeit zu han-deln, da wir dieselbe bekanntlich als das letzte Ziel aller menschlichenDinge betrachten. Wir werden uns also darüber kürzer fassen kön-nen, wenn wir das im Vorigen Gesagte rekapituliren.

2. Wir sagten also zunächst 0: sie sei keine Disposition undFertigkeit. Denn sonst würde sie auch einem Menschen, der seinganzes Leben durch schliefe und ein reines Psianzenleben lebte, inne-wohnen, oder auch einem Menschen, der von den größten Unglücks-fällen heimgesucht würde. Da dies nun offenbar nicht anzunehmenist, sondern da sie vielmehr, wie wir in den früheren Vorträgen ^)ausgesprochen haben, in eine gewisse Thätigkeit gesetzt werden muß,

1) S. I, Kap. 7: vgl. I, Kap. 8, §. g.

2) S. I, Kap. 7, §. l4; Kap. 13, §. I.