Fünfte« Kapitel.
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wie ja auch Herakleitos sagt^): „Ein Esel würde sicherlieber Stoppeln sich wählen, als Gold", denn sür Eselist Futter ein größerer Genuß, als Gold- Bei Wesen also, die derArt nach von einander verschieden sind, sind auch die Genüsse derArt nach verschieden; dagegen sollte man denken, daß die Genüsseder Wesen einer und derselben Art nicht verschieden sein müßten. —9. Und doch sind sie nicht unbedeutend verschieden, wenigstens beiden Menschen. Denn ein und dieselben Dinge, welche die Einenergötzen, erregen den Andern Unlust, und Dinge, die den Einenlästig und verhaßt sind, sind Andern erfreulich und beliebt. Auch beiden süßen Dingen tritt dasselbe ein; denn wir wissen: was demFiebernden süß schmeckt, schmeckt nicht auch dem Gesunden so, undwas sür den schwächlichen Menschen warm ist, ist es nicht sür dengesundkräftigen ^). Und ähnlich verhält es sich mit den Empfindun-gen aller andern Sinne.
10. In allen diesen Empfindungen aber halten wirden körperlich und geistig Gesunden und Tüchtigen sürdas Kriterium des Wahren und Richtigen. Ist dies rich-tig, wie ich es denn für richtig halte, und ist in der That dasMaß 5) eines jeden die Vollkommenheit (Tugend) und der vollkom-mene (tugendhafte) Mensch als solcher, so sind auch Genüsseeben nur diejenigen, welche ihm als solche erscheinen,und lustbringend nur das, woran er Freude hat. Wennes aber doch vorkommt, daß Dinge, die ihnen widerwärtig sind,einem Andern als angenehm und lustbringcnd erscheinen, so hat mansich darüber durchaus nicht zu verwundern, denn es gibt eben vieleVerderbnisse und Verunstaltungen der Menschennatur; wirklich
Den Zusammenhang diese« Herakliteischen Fragment« mit der Lehre de«großen Denker« von EphesuS: daß sich der objektive Charakter seiner Gat-tung bei jedem lebenden Wese» ausspreche durch die Nahrung »Nb ebenso durchda«, was ihn, Lust gewährt, womir e« sich beschäftigt, und >va« ihm von Wertherscheint, erläutert vortrefflich Lasalle in seinem Werke: „DiePhilosophie Herakleitos de« Dunkeln von Ephesos, Th. I, S. 202 — 203.
Bgl. Aristoteles Metaphysik XIV, Kap. S, §. 17; §. 17. und daselbstSchwegler.
2) S. Buch III, Kap. 4, §. 5.