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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Zehntes Buch.

aus, sie vernichten nämlich die Thätigkeit, wenn auch nicht aufgleicheWeise.

6. Da nun die Thätigkeiten durch moralische Güte und Schlech-tigkeit von einander verschieden, und so die einen wünschenswerth,die andern verwerflich, noch andere endlich keins von beiden sind, sofindet dasselbe Vcrhältniß auch bei den Vergnügungen statt, weil ebenzu jeder einzelnen Thätigkeit auch ein ihr eigenthümliches Vergnügengehört; das heißt also: die Lust, welche der tugendhaften Thätigkeiteigenthümlich zugehört, ist selbst eine gute und löbliche, die dagegen,welche zu einer schlechten gehört, ist eine lasterhafte und schlechte.Denn auch die Begierden sind nur dann löbliche, wenn sie auf dasSchöne, tadelnswerthe dagegen, wenn sie auf das Häßliche gerichtetsind. Nun sind aber mit den Thätigkeiten die in ihnen selbst liegen-den Vergnügungen noch inniger verbunden, als die Begierden; denndiese letzteren sind sowohl der Zeit als der Natur nach von den Thä-tigkeiten getrennt, jene hingegen stehen mit den Thätigkeiten in aller-nächstem Zusammenhänge, ja find dergestalt unzertrennlich von ihnen,daß man fragen kann, ob nicht die Thätigkeit und die Lust eines unddasselbe seien.

7. Allein dis Lust scheint jedenfalls nicht Denken und ebenso-wenig Sinneswahrnehmung zu sein, denn das wäre ungereimt; viel-mehr ist die Sache die: weil sie davon nicht getrennt werden kann,darum erscheint sie einigen Philosophen als eines und dasselbe.Wie nun also die Thätigkeiten verschieden sind, so find es auch dieVergnügen. Das Sehen ist vom Gefühl verschieden durch Schärfeund Reinheit, und ebenso Gehör und Geruch vom Geschmack; ganzebenso sind nun offenbar auch die Vergnügen jener Sinne verschie-den, und von ihnen wieder die des geistigen Denkens, und unter denletzteren ist wieder das eine reiner als das andere.

8. Jedes lebende Wesen hat nun grade so gut seine ihm eigen-thümlich zugehörende Lust, wie es seine ihm cjgenthümliche Verrich-tung hat, denn die erstere entspricht der jedesmaligen Thätigkeit.Dies erhellt leicht bei einer Betrachtung im Einzelnen, denn die Lustdes Pferdes ist eine andere, als die des Hundes oder des Menschen,