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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Viertes Kapitel.

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auch das urtheilende und betrachtende Subjekt sein muß ?), so langewird in der Thätigkeit immer auch die Lust enthalten sein: dennwenn das Leidende und das Wirkende gleicher Art und von gleichemVerhältnisse zu einander sind, so ist es naturgemäß, daß immer das-selbe geschieht.

9. Wie kommt es nun, daß kein Mensch ununterbrochen Lustempfindet? Doch wohl daher, weil der Mensch eben ermüdet. Dennkeine der Kräfte des Menschen vermag ununterbrochen thätig zu sein;sobald sie also nicht thätig ist, so entsteht auch keine Lust, denn dieseist nur ein Gefolge der Thätigkeit. Auch ergötzen uns manche Dinge,weil sieneu sind, später ergötzen sie uns nicht mehr, weil sie es ebennicht mehr sind. Anfangs nämlich ist unser Verstand ganz von denneuen Gegenständen hingerissen und wendet ihnen eine angesporntcThätigkeit zu, ähnlich wie wir unsere Augen anstrengen, wenn wirauf etwas, was uns als neu frappirt, Hinschauen; allein in derFolge, wenn der erste Eindruck vorüber, ist unsere Thätigkeit nichtmehr von solcher Art, sondern eine schlaffere, und dadurch verringertsich auch unser Vergnügen.

10. Verlangen nach der Lust, kann man annehmen, tragen alleMenschen insgesammt, da sie ja insgesammt auch zu leben begehren.

Das Leben aber ist selbst eine gewisse Thätigkeit, und diese Thätig-keit wird immer aus diejenigen Dinge gerichtet und mit denjenigenDingen vollzogen, die Jemand am meisten liebt; so arbeitet z. B.der Musiker vorzugsweise mit dem Gehör im Reiche der Melodien,der Wißbegierige mit seiner Denkkraft im Reiche der spekulativenWahrheiten u. s. w. Die Lust aber gibt der Thätigkeit die abschlie-ßende Vollendung, also auch dem Leben selbst, nach dem alle Men-schen begehren; es ist also sehr begreiflich, daß sie auch nach der Lustbegehren, da diese ja erst dem Leben, das für alle etwas Wünschens-werthes ist, den vollendeten Abschluß gibt ^).

11. Die Frage: ob wir uns das Leben der Lust wegen, oder Kap.ob wir die Lust des Lebens wegen wünschen, wollen wir für jetzt beiB-n.

7) D. h. so lange beide in höchster Stärke und Trefflichkeit sind.»1 S. Biese II, S. rkl n- 275.

Aristoteles' Ethik.

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