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Zehntes Buch.
Empfinden des Genießens bafiren, so wird dasselbe Argument auchin Betreff der Gerechtigkeit und der sämmtlichen übrigen Tugendengelten müssen, von dem sie augenscheinlich zugeben, daß in Bezugauf die Individuen, welche dieselben besitzen, ein Mehr und Wenigerstattfindet; denn cs gibt doch Menschen, die mehr gerecht und tapferfind, als andere, und auch ein höherer Grad rechtlicher und mäßigerHandlungsweise ist gar wohl möglich. Liegt aber der Schwerpunktihrer Argumentation in den Genüssen selbst ^), so, fürchte ich, treffensie den eigentlichen Grund der Erscheinung nicht, insofern die Ge-nüsse theils ungemischte, theils gemischte find ^). — 3. Denn ichsehe nicht ein, warum es mit der Lust nicht ebenso sein sollte, wiemit der Gesundheit, die, trotzdem, daß sie ein vollkommen bestimmterBegriff ist, doch das Mehr und das Weniger zuläßt! Ist ja dochdieses gleiche Ebenmaß nicht bei allen gesunden Menschen das-selbe , ebensowenig wie es bei einem und demselben einzelnen Men-schen jederzeit eins und dasselbe ist, sondern es dauert Nachlassen!»fort bis zu einem bestimmten Punkte, und ist verschieden durch einMehr oder Weniger; warum soll es nicht ganz ähnliche Bewandtnißauch mit der Lust haben können?
4. Ferner sagen die Platoniker ?): das an sich Gute sei einvollendetes, alle Bewegung und alles Werden aber ein unvollendetes,und dann weisen sie nach, daß die Lust Bewegung und Werden sei.Wie scheint, raisonniren sie aber nicht richtig, und die Lust ist keinWerden ^). Aller Bewegung nämlich sind Schnelle und Langsamkeiteigen, und wenn auch nicht an und für sich *>), wie z. B. der Bewe-
b) D. h. sind eS die Genüsse (objektiv gesoßt) und nicht das aktiveGenießen, worin ein „Mehr" und ein Weniger stattfindet.
b) D. h. der Grund liegt nicht im Wesen des Begriffes der Lust, son-dern in dem accidentiellen Umstande, daß es reine und gemischte Arten vonLust gibt.
b) Die „Symmetrie", das ebenmäßige Spiel der Kräfte, in welcher dasWesen der Gesundheit besteht.
7) Vgl. Buch VII, Kap. 12. Platon, Philebus §. irr-I2S. Stollb.b) Man vergl. Trcndelenburg in seinem Kommentar zu Aristoteles „vonder Seele" S. 304 ff. Biese II, S. 372.
b) „Wenn auch die Bewegung, an sich betrachtet, nicht geschwind oder