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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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359
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Zweites Kapitel.

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Zweites Kapitel.

Eudoxos ') also meinte: die Lust sei das höchste Gut,denn,sagte er, ich sehe, daß nach ihr alle Wesen trachten, sowohl die ver-nunftbegabten, als die vernunftlosen". Für alle aber sei das, wasGegenstand ihres Begehrens ist, etwas Gutes, und das, wonach sieam meisten begehren, das Höchste; und so zeige denn offenbar derUmstand, daß alle Wesen nach Einem und Demselben hinstreben, daßdieses eben für alle das Beste sei. Jedes Wesen nämlich finde das-jenige aus, was für es selbst gut sei, wie es ja auch seine Nahrungausfinde; mithin sei das, was für alle ein gutes sei, und wonachAlles strebe, das höchste Gut. Die Lehren dieses Philosophen fandenjedoch ihrer Zeit mehr Glauben und Beifall wegen seiner persönlichenhohen Sittlichkeit, als um ihrer selbst willen; denn er galt allgemeinals ein in hohem Grade maßvoller Mann. Somit nahm man allge-mein an, daß er diese seine Ansicht nicht ausstelle, weil er selbst einFreund der Lust sei, sondern man glaubte, daß seine Ansicht wirklichwahrheitgemäß sei.

2. Eine nicht minder augenscheinliche Bestätigung seiner An-sicht, meinte er ferner, ergebe sich aus dem Gegentheile der Lust.Denn, sagte er, der Schmerz ist an und für sich etwas, was alleWesen fliehen, folglich muß ebenso sein Gegentheil auch an sich etwasWünschenswerthcs sein. Ferner sei das am meisten wünschenswerth,was wir nicht aus einem andern Grunde und nicht um eines Anderenwillen erwünschten und erwählten; ein solches Ding sei nun abernach allgemeiner Uebereinstimmung die Lust, denn kein Mensch werfedie Frage aus: wozu er sich freue, wenn er sich freut, weil Jeder vor-aussetze, daß die Lust (die Freude) an und für sich etwas Wünschens-werthes sei. Auch mache sie als Zusatz zu irgend einem beliebigenGuten dasselbe noch wünschenswerther, wie z. B., wenn sie zu einemgerechten Handeln und maßvoller Lebensführung hinzukomme, unddas eine Gute werde doch offenbar durch sich selbst gesteigert.

>> lieber diesen Philosophen s. man die 5. Anmerkung zu unserer EthikI, Kap. 12.