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Zehntes Buch.
Lust das höchste Gut, die Andern, umgekehrt, sagen, sie sei etwassehr Schlechtes; und zwar sind jene Ersteren vielleicht überzeugt, daßdie Lust wirklich gut sei, während die Letzteren nur meine», es seibesser für das praktische Leben, die Lust als zu den schlechten Dinge»gehörig darzustellcn, auch wenn sie nicht wirklich etwas Schlechtesist; denn die Menschen hätten einen natürlichen Zug und Hang zuihr, und seien immer bereit, den Lüsten sklavisch zu sröhnen, darummüsse man sie nach der entgegengesetzten Seite hinleiten, weil sie somöglicherweise wieder zu der richtigen Mitte kämen.
3. Allein wenn das nur kein Jrrthum ist! Denn alle Lehrenüber die Dinge, bei denen unsere Empfindungen und Handlungenin's Spiel kommen, haben minder überzeugende Kraft, als die realeWirklichkeit der Dinge. Sobald sie also mit den sinnlichen Wahr-nehmungen disharmonircn, da werden sie von den Menschen miß-achtet, und ruiniren so selbst noch das Wahre, was sie enthalten.Ein Philosoph z. B., der auf die Lust schilt und gelegentlich sichvor unfern Augen selbst als begierig nach irgend einem Vergnügenzeigt, erscheint sofort in dem Lichte, als ob er von seiner Theorieabsatte und sich derjenigen Ansicht znnekge, nach welcher alle undjede Lust etwas Begehrenswerthes ist; denn strenges Unterscheidenist nicht Sache der großen Menge.
4. Es scheint also doch, daß die Wahrheit beim Philosophire»nicht nur für das theoretische Wissen, sondern auch für das praktischeLeben das Nützlichste ist. Denn solche Philosopheme sind mit derrealen Wirklichkeit der Dinge im Einklänge, und wirken darum über-zeugend; denn sie fordern ihre verständigen Hörer auf, ihr Leben nachihnen einzurichten. Doch genug hiervon, und weiter zur Durch-musterung der verschiedenen über die Lust ausgestellten Ansichten.
3) Man denke hinzu: „und solche Philosophen, nämlich solche, denen e«nm die wirkliche Wahrheit und nicht um einen äußerlichen abstrakten Moral-zweck zu thun ist.