356
Neuntes Buch.
das, worin sie Gemeinschaft haben, find schlechte Dinge, und dazusind sie selbst innerlich haltlos ^), und somit werden sie also schlecht,indem sie einander ähnlich werden. Dagegen die Freundschaft derGuten ist selbst gut, und wächst als solche durch den gegenseitigenUmgang. Man kann sagen, beide Theile werden besser, indem sieEiner für die Zwecke des Andern wirken, und Einer den Andernzurechtweist; denn Jeder drückt vom Andern gleichsam dasjenige insich und sein Wesen ab was ihm am Andern gefällt. Daher dasDichterwort °):
„Gutes lernst du von Guten!" —
So viel von der Freundschaft! Im nächstfolgenden Buchewerden wir von dem Vergnügen zu handeln haben?).
S. oben VIII, Kap. 8, §. L.
b) S. oben VIII, Kap. 4, §. k.
b) Ein bei den alten Griechen sehr beliebtes Bild, das man auch beiPlaton (Staat III, Kap. 8, p. 396 ck.> und AristophaneS lFrbsche I0SV ff.Sind.) ähnlich angewendet findet.
b» Des TheogniS. Siehe die Anmerkung zum neunten Kapitel diesesBuchs, §. 8.
7> Dieselbe Jnhaltangabe des folgenden Buches wird zu Anfänge desselbenwiederholt. Das geschieht häufig bei Aristoteles, und hat wohl seinen Grunddarin, daß diese Schriften nach mündlichen Vorträgen ausgezeichnet find.Wenn der Philosoph, wie hier, eine Materie und zugleich seine Vorlesung schloß,so war nichts natürlicher, als daß er aus den Inhalt der nächsten Vorlesunghinwies, wie er das hier thui; und ebenso natürlich war e«, daß er beim Be-ginne der nächste» Vorlesung an das Borhergegangene anknüpfte. So viel aberist sonnenklar, daß Aristoteles, wenn er selbst die Ethik, wie wir sie haben,zur Herausgabe als Buch bearbeitet hätte, hier diese ungeschickte Wiederholungeines und desselben Gedankens am Schlüsse des einen und am Anfänge desandern Buches nicht hätte stehen lassen.