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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Neunte« Buch.

schön und edel; zur Theilnahme an deinem Unglücke aber zögernd,denn von seinem Unglücke soll man so wenig als möglich Andernzukommen lassen; daher das Dichterwort:

Genug, daß ich unglücklich bin!"b

Am ersten noch darf man sie in solchen Fallen herbeirufen, wo sie inder Lage sind, mit eigener geringer Beschwerniß uns große Dienstezu erweisen.

6. Umgekehrt dagegen schickt cs sich, wie ich meine, daß wirzu unfern Freunden, wenn sie im Unglücke find, ungerufen undfreudig gehen denn es ist Freundcspflicht, wohlzuthun, und zwaram meisten in der Noth, und wenn der Freund cs nicht fordert, dennin solchen Fällen ist für beide Theile der Freundschaftsdienst hieredler, dort angenehmer. Sind aber unsere Freunde in glücklichenUmständen, so nahe man sich ihnen mit freudiger Eile, wenn manzur Erreichung ihrer Absichten Mitwirken kann denn dazu bedarfauch der Glückliche Freunde, aber zögernd, wenn cs die Beförderungunseres eigenen Wohles durch sie gilt. Denn cs ist nicht schön, sichdazu zu drängen, Gunst und Gutes zu empfangen. Nur hat manfreilich auch den Anschein unfreundlicher Sprödigkeit im Ableh-nen 5), wie ich meine, zu vermeiden, den man zuweilen in solchemFalle auf sich zieht.

Das Resultat von Allem also, sehen wir, ist dies, daß dieGegenwart unserer Freunde in allen Lebenslagen wünschenswerth ist.

4> Wahrscheinlich aus irgend einer verlornen Dichtung des EnripideS, indessen erhaltenen Tragödien der Gedanke selbst öfter, nur nicht in dieser präg-nanten Form vvrkoinmt. Z. B. Ipliige». Banrlo. V. 67 0 ff. Seidler. Aehn-«ich ist auch der Ausruf der bekümmerten Jokaste gegenüber ihrem Gatten beiSophokles Oeclip. Tyrann. V. 1053 ff. Herne.

6) S. oben II, Kap. 7, §. IZ. Unfreundliche Sprödigkeit, sagt Plutarch-IV, p. 47 Neisk.), macht »ns den Freunden lästig. Im Brautstände, meintder Alte, möge sie der Braut hingehen als Bürge künftiger ehelicher Zärtlich-keit und Hingebung, aber in der Ehe sei sic zn meiden <IV, p. 524. p. 52g>. Die Lehre, im Unglück schnell, im Glücke zögernd den Freunden zu nahen,gab schon der alte Chilon, einer der sieben Weisen. Bgl. Viag. I-aert. V, 83.und dort die Ausleger.