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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Elfte« Kapitel.

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der Freund ist durch Anblick und Zuspruch ein tröstliches Wesen,wenn er das Geschick dazu hat, weil er unsern Charakter kennt, undweiß, was auf denselben angenehm oder betrübend wirkt. 4. Aufder andern Seite hat es dagegen wieder etwas Betrübendes, denFreund über unser eigenes Unglück sich betrüben zu sehen; dennJedermann vermeidet es gern, seinen Freunden Ursache zur Betrüb»niß zu sein; deßhalb haben denn auch männlichtapfere Charaktereeine Scheu davor, ihre Freunde an ihren Schmerzen theilnehmen zulassen, und wenn nicht die eigene Verhärtung gegen den Schmerzsich in ihm allzu hoch steigert, so erträgt ein solcher eS nicht, seineFreunde leiden zu sehen ^), wie er denn überhaupt Mitjammerernicht an sich heranläßt, weil er selber kein Freund vom Jammern ist.Weibsen dagegen und'weibische Männer, haben Genuß an solchenMitseuszenden" und lieben sie als Freunde und mitleidende Seelen.Ich denke aber, man muß es überall den Besseren nachthun.

ö. Die Gegenwart der Freunde in unsern glücklichen Um-ständen gewährt uns einmal eine angenehme Unterhaltung und dem-nächst auch das angenehme Bewußtsein, daß sie sich an dem Guten,was wir besitzen, erfreuen. Man kann also, glaub' ich, mit gutemFug die Regel geben: Zur Theilnahme an deinem Glücke rufe gernden Freund herbei, denn Glück um sich verbreiten wollen, ist

Wohl ist es süß j» thcilen mit dem Freund sein Glück!

Doch wenn uns. Gott verhüt' es, irgend Unglück trifft,

Jst'S süß, zu schauen in das Aug' des treuen Freunds.

Bergl. auch Plutarch a. a. O. Th. VI, p. I8> NeiSke, der ausdrücklich denEuripideS anführt.

5) Die psychologisch interessante Erscheinung, welche Aristoteles hier imAuge hat, ist vielfach mißverstanden und unsere Stelle auf das verschiedensteerklärt worden. Der Gedankengang aber zeigt, daß unsere Uebersetzung dierichtige ist. Aristoteles sagt: Freunde über unser Unglück leiden sehen, ist ansich etwas Schmerzliches, und kein Mensch will gern Ursache davon sein. Sehrstarke und mnnnlichkräftige Naturen sträuben sich vor Allem dagegen. DasWitleiden" ihrer Freunde wird ihnen geradezu eine Last und Qual, und sieziehen es daher vor, ihren Schmerz in sich zu verschließen es sei denn, daßihr Naturell so eisern ober ihr Leiden so groß ist, baß eS sich in ihnen bis zurUnempfindlichkeit steigert; denn in solchem Falle hßren allerdings auch jene zartenRücksichten gegen ihre Freunde auf.

Aristoteles' Ethik. ZZ