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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Neuntes Buch.

thun kann, denn er will doch von seinem Glücke thätigen Gebrauchmachen.

Mehr Sache der Nothwendigkeit und des- Bedürfnisses ist nunoffenbar ein Freund, wenn man in unglücklichen Umständen ist, da-her find es denn auch nützliche Freunde, welche man da nöthighat. Aber ein schöneres Gut ist doch Freundschaft, wenn man inglücklichen Umständen ist, daher sucht man denn in solcher Lage auchdie trefflichen Menschen auf, weil es in höherem Grade wünschens-werth ist, solchen Menschen Gutes zu erweisen und in ihrer Gesell-schaft sein Leben hinzubringen. 2. Denn die bloße Anwesenheiteines Freundes ist schon etwas Angenehmes, und sie ist cs selbst imUnglück. Denn der Betrübte findet sich erleichtert, wenn Freundeseinen Schmerz theilen. Man könnte daher füglich die Frage aus-werfen: ob in solchem Falle die Freunde uns wirklich so zu sage»einen Theil unserer Last abnehmen, oder ob dies zwar nicht der Fallist, wohl aber ihre Anwesenheit, weil sie uns angenehm ist, verbun-den mit dem Gedanken, daß sie unfern Schmerz Mitempfinden, unserLeid geringer machen? Indessen, ob dies oder etwas Anderes derGrund unserer Erleichterung sei, bleibe unerörtertdie Thatsache,daß wir erleichtert werden, steht ledensalls fest.

3. Mir scheint die Gegenwart der Freunde (bei unserenSchmerzen) einen Eindruck von gemischter Empfindung zu machen.Einerseits nämlich ist der bloße Anblick der Freunde eine angenehmeEmpfindung, zumal, wenn man unglücklich ist, und er gewährt unsso zu sagen eine Hülfe gegen den Schmerz der Betrübniß '-); denn

Aristoteles scheint hier auf den Tenophontischen Sokrates (LenophonMemorabilien II, Kap. 7) anzuspielen, welcher sich dort zu der erster-» Ansichtbekennt. Goethe sagt über denselben Gegenstand (in Erwin nnd Elmine):

Im Busen eines Freundes wiederhallend,

Verliert sich nach und nach des SchmerzenS Ton!"

2> Diese Aristotelische Stelle hat der Verfasser des pseudoaristvtelischenBriefes an König PhilippvS von Makedonien vor Augen gehabt. S. Stahr,.S.ristot°Ii!l Th. II, S- 215. Aristoteles selbst aber dachte auch hier wiederan seinen SnripideS, der im Jo» B. 7ZV732 denselben Gedanken aus-spricht: