Elftes Kapitel.
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Bezug auf ein Individuum; und ebenso innige Freundschaft auchnur gegen Wenige.
6. Daß es wirklich sich also verhält, ersehen wir auch aus denThatsachen des Lebens, denn da kommen nicht viele Freunde in derwirklichen Bedeutung der Kameradenfreundschaft vor, und bei denvon den Dichtern besungenen ist immer nur von einem Freundes-paare die Rede. Die Allerweltsfreunde dagegen, die Jedermannmit Vertraulichkeit begegnen, gelten für Menschen, die eigentlichKeinem Freund sind, ausgenommen im politischen Sinnes, wasman in der Sprache durch den Namen „Gefälligmacher" ausdrückt,mit dem man sie benennt.
Politisch kann man nun zwar allerdings Vielen Freund sein,auch wenn man kein „Gefälligmacher", sondern nur ein wirklichrechtschaffener und tüchtiger Mann ist. Die Freundschaft dagegen,deren Grund die Tugend und das eigene Selbst des Freundes ist,kann nicht gegen Viele stattfinden, sondern man mag sehr zu-frieden sein, wenn man selbst nur wenige solche findet^).
Elftes Kapitel.
Die nächste Frage ist: bedarf man Freunde mehr in glück-lichen oder in unglücklichen Umständen? In beiden Lagen nämlichwerden sie gesucht; denn wer unglücklich ist, der braucht Hülfe, undwer glücklich ist, braucht Gesellschafter und Leute, denen er wohl
5) Im Sinne eines frcundnachbarlichen BerkehrenS, wie unter Mitbür-gern »Nb Gliedern einer und derselben bürgerlichen Genossenschaft oder Parteistatlfindet und sich gebührt. Auch heute reden wir ja von „unfern politi-schen" Freunden.
b) Diogenes LaerrioS im „Leben des Aristoteles' (V, r>) erzählt nachPsovorinuS, daß der Spruch: „Wer viele Freunde hat, hat keinen",ein LieblingSfpruch deS Weise» von Stagira gewesen sei. Er cirirt dabei da«siebente Buch der Ethik, und wirklich lesen wir diesen Ausspruch im sieben-ten Buche der sogenannten Eudemische» Sihik (Kap. IL, x. >L4S. 8. Ig.Bekk.>. Daraus sehen wir, daß zur Zeit der beiden genannten alten Schrift-steller diese Ausgabe der Ethik als Aristotelisch galt.